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Berner Betriebsamkeit im Fall Bastos

Jean-Claude Bastos Angolas Vorwürfe gegen den Staatsfondsverwalter erweisen sich als haltlos. Doch bis zuletzt leisteten Schweizer Behörden Schützenhilfe.

Das Handy-Foto zeigt Jean-Claude Bastos: abgemagert, aber zufrieden. In der Hand der angolanische und der Schweizer Pass. An der Wand ein Porträt des Präsidenten João Lourenço. Entstanden ist das Handy-Foto am Tag von Bastos Freilassung in Luanda. Nach einem halben Jahr in U-Haft.

Statt der Anklage wegen Verschwörung und Veruntreuung hat Angola verglichen und sämtliche Verwürfe fallengelassen. Mehr noch: Bastos erhielt eine Entschädigung zugesprochen. Im Gegenzug verzichtete der Schweiz-Angolaner auf vertragliche Forderungen. Die Wende in Angola wirft allerdings ein schiefes Licht auf die Schweizer Behörden: Bis zuletzt leistet Bundesbern Schützenhilfe bei Angolas Powerplay gegen Doppelbürger Bastos.

Doch der Reihe nach. Letzten April war das Geschirr zerschlagen. Der Staatsfonds FSDEA teilte öffentlich mit, Angola wolle die «finanzielle Kontrolle» über das Milliardenvehikel, das Jean-Claude Bastos seit 2013 verwaltet hatte. Zuvor hatten der Schweizer Financier und Angolas neuer Präsident João Lourenço erfolglos um die Auflösung der Verträge gerungen.

Jean-Claude Bastos erhält Gebühr in dreistelliger Millionenhöhe

Bastos hatte mit der Verwaltung des 5 Milliarden schweren Staatsfonds über 500 Millionen Dollar an Gebühren und Services verdient. Ein Gutachten, das Angolas neue Regierung bei Berater EY bestellt hatte, bescheinigte «hohe Gebühren angesichts der Portfoliogrösse». Gemeint war der liquide Teil der Staatsfondsgelder. Für jene 1,7 Milliarden Dollar konnte Angola kurzfristig das Mandat mit Bastos Zuger Firma namens Quantum Global aufkündigen. Die übrigen 3 Milliarden Dollar waren für Direktanlagen reserviert: vom Hotelturm in Luanda bis zum Hochseehafen-Projekt in Cabinda, an dem auch SBB-Frau Monika Ribar mitwirkte. Ein Grossteil der Gelder lag auf Konten in London. Nur etwa eine halbe Milliarde Dollar war in sieben sektoriellen Fondsvehikel auf Mauritius investiert.

Doch Bastos und seine Quantum hatten für die Verwaltung dieses Private-Equity-Portfolios gültige Verträge mit langen Laufzeiten. Die Rede ist von bis zu zehn Jahren. Die jährlichen Gebühren summierten sich bis 2018 auf rund 300 Millionen Dollar. Eine Fortführung hätte für Bastos und Co. also goldene Jahre mit Multimillionen-Fees bedeutet.

Bundesanwaltschaft eröffnet Strafverfahren gegen unbekannt

Was ein gewöhnlicher Disput unter Geschäftspartnern ist, nämlich die vorzeitige Vertragsauflösung, eskalierte zwischen Bastos und Angola. Mitte April stieg die neue Staatsfondsführung in den Flieger nach Mauritius. Die Mission: den Schweizer abzusetzen und der Private-Equity-Milliarden habhaft zu werden. Die Gerichte im Inselstaat folgten zunächst den Angolanern. Dutzende Quantum-Konten wurden eingefroren – ohne Bastos die Beweggründe offenzulegen. Mauritius war der Auftakt für eine weltweite Sperre seiner Vermögenswerte. Auch in der Schweiz.

Inzwischen waren nämlich die Behörden in Bern aktiv geworden. Mitte Mai rückte das Fedpol aus und durchsuchte diverse Büros von Bastos Firmen. Bundesanwalt Michael Lauber hatte zuvor ein Strafverfahren gegen unbekannt eröffnet wegen Geldwäschereiverdachts, unter anderem «gegen das Vermögen des angolanischen Staatsfonds». Sein Bruder Emanuel Lauber, der oberste Steuerfahnder des Bundes, nahm praktisch zeitgleich die Ermittlungen gegen Bastos und Co. auf – unter anderem wegen des «Verdachts des Steuerbetrugs und der Hinterziehung».

Laubers Fiskalfahnder gingen forsch vor: Sie liessen mittels Spezialfirma einen Tresor bei Bastos Exfrau im Tessin knacken und verarrestierten Bankkonti aus seinem erweiterten Firmenumfeld. «Die jüngsten Äusserungen in der Presse sind zu berücksichtigen, die weitere Bedenken bei den Behörden erwecken», verteidigten die Bundesvertreter später ihre akribischen Arrestaktionen. Ein Kantonsgericht rügte danach, dass sich «aus den von den Klägern eingereichten Beilagen weder ein Rechtsmissbrauch noch ein Steuervergehen» ableiten lasse. Die Steuerstrafuntersuchung gegen Bastos ist hängig.

Staatssekretärin Pascale Baeriswyl trifft Angolas Justiziar

Während Steuerfahnder Lauber die Offshore-Konstrukte durchleuchtete, lud Bundesanwalt Lauber sein angolanisches Pendant im Juli zum Arbeitstreffen nach Bern. Generalstaatsanwalt Pitta Gróz hoffte danach im «Tages-Anzeiger», schon «in dreissig bis vierzig Tagen» genügend Beweise gesammelt zu haben, um Bastos vor Gericht zu stellen. Doch weder stellte Angola je ein Rechtshilfegesuch an die Schweiz, noch klagte Pitta Gróz den Ex-Staatsfondsverwalter an. Vielmehr erging Mitte August ein Urteil am britischen High Court, das den Kontensperren die Legitimation weitgehend entzog. Keinen Monat später setzte Angola Jean-Claude Bastos in U-Haft. Dies obwohl man ihm bereits die Pässe abgeknöpft hatte und er sich regelmässig bei den Behörden melden musste. Der Haftantrag basierte auf einem möglichen Interessenkonflikt bei einem 150-Millionen-Dollar Hotelprojekt aus dem Jahre 2015. Ein Projekt, das von Behördenvertretern abgesegnet worden war.

Trotz zweifelhaften Zwangsmassnahmen weibelte Bundesbern weiter. Im November reiste Staatssekretärin Pascale Baeriswyl nach Luanda, um über Justizfragen zu sprechen. Kurz vor Weihnachten traf sie Angolas Generalstaatsanwalt und den Justizminister in Bern. «Ein fruchtbarer Austausch über gegenseitige Rechtshilfe», twittere Baeriswyl nach dem Treffen.

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Jean-Claude Bastos – Das Ende der U-Haft

Jean-Claude Bastos Seit Ende September sass Jean-Claude Bastos de Morais im Hochsicherheitsgefängnis Viana in der angolanischen Hauptstadt Luanda. Die Anstalt ist für ihre schlechten Haftbedingungen berüchtigt. Das amerikanische Aussenministerium hat wiederholt auf Menschenrechtsverletzungen hingewiesen.

Bastos fürchtete um seine Gesundheit in der U-Haft. Er soll nur Essen konsumiert haben, das ihm Angehörige – darunter seine Lebenspartnerin Manuela Ganga – ins Gefängnis brachten. Ansonsten verweigerte der Schweiz-Angolaner die Nahrungsaufnahme.

Jean-Claude Bastos: Vertraulicher Vergleich

Nun schaffte der ehemalige Verwalter von Angolas 5 Milliarden Dollar schwerem Staatsfonds eine Einigung mit der Generalstaatsanwaltschaft. Wie die Quantum Global Group mitteilte, haben der Fundo Soberano de Angola (FSDEA) und Quantum-Gründer Jean-Claude Bastos einen vertraulichen Vergleich erzielt.
 
Bastos sei frei. Die angolanischen Behörden hätten «keinerlei Anklage wegen eines strafbaren Verhaltens gegen ihn erhoben».
 
Weiter hätten die Behörden von Mauritius die Einfrierung der Bankkonten von Quantum Global und Bastos aufgehoben. Auch setzte die Financial Services Commission die Lizenzen der Gruppe wieder in Kraft.

Verzicht auf Forderungen aller Art

Die Vergleichsvereinbarung sieht vor, dass beide Parteien auf weitere Forderungen gegenüber der jeweils anderen Partei verzichten. Der Vergleich deckt alle durch den FSDEA vor den Gerichten verschiedener Länder wie Angola, Mauritius, der Schweiz und Grossbritannien erhobenen Forderungen ab. Quantum Global und Jean-Claude Bastos verzichten im Gegenzug auf ihre in Grossbritannien gegen den FSDEA erhobenen Schadenersatzforderungen; auch werden sie ihre handelsrechtlichen Klagen gegen den FSDEA in Mauritius einstellen.

Bereits am Mittwoch hatte die «Handelszeitung» über die Einigung berichtet. Die Information basierte auf Aussagen von Tobias Klein, dem Finanzchef der Quantum Group. 

Laut dem portugiesischen Dienst von «Voice of America» hatte Klein im Rahmen eines Aufhebungsverfahrens von Kontensperren auf Mauritius, wo diverse Staatsfonds-Vehikel ihren Sitz haben, eine eidesstattliche Erklärung abgegeben: Darin erklärte der Quantum-CFO, dass die Streitigkeiten zwischen dem Asset Manager und Angola beigelegt worden seien.

Überraschende Wende

Der Deal kommt überraschend. Noch Ende Februar liess der oberste Staatsanwalt Angolas, Helder Fernando Pitta Gros, über die lokale Nachrichtenagentur ANGOP verbreiten, man werde in wenigen Tagen Anklage gegen Jean-Claude Bastos und den Sohn des ehemaligen Staatspräsidenten, José Filomeno dos Santos, erheben. Filomeno präsidierte den Fundo Soberano do Angola (FSDEA) bis Anfang 2018.

Zur Anklage gegen Bastos & Co wird es nun nicht kommen. Vielmehr markiert die Einigung das vorläufige Ende einer Auseinandersetzung zwischen der alten Staatsfonds-Führung und der neuen angolanischen Regierung um Präsident João Lourenço, der im Herbst 2017 ins Amt kam. Der Rechtsstreit, der in Angola, Grossbritannien, der Schweiz und auf Mauritius erbittert ausgefochten wurde, gipfelte gut ein Jahr nach Lourenços Inauguration in der Verhaftung von Jean-Claude Bastos in Luanda.

Am Abend des 24. September 2018 wurde Bastos in Untersuchungshaft gesetzt. Zuvor hatte man ihm bereits den Pass abgenommen, die Ausreise verwehrt, und er musste sich regelmässig bei den Behörden melden. Der Grund für die Zwangsmassnahmen: Ein Strafverfahren gegen den Schweiz-Angolaner mit dem Aktenzeichen Nr. 22/18-DNIAP.

Nicht in Transaktion involviert

Die Staatsanwaltschaft stellte damals in einem offiziellen Communiqué die Verhaftung in den Kontext der Veruntreuung von 500 Millionen Dollar aus den Beständen der angolanischen Nationalbank. Dies, obwohl Bastos und seine Zuger Quantum Gruppe nachweislich nicht in die Transaktion involviert waren. Allerdings stützten die Staatsanwälte den eigentlichen Haftantrag auf einen Immobiliendeal von Bastos für den Staatsfonds FSDEA ab.

Es handelt sich um einen jener Beteiligungsvehikel auf Mauritius, deren Verwaltung mit der Veröffentlichung der «Paradise Papers» im Herbst 2017 in Verruf geraten waren. Dies weil Bastos die Staatsfondsgelder über die Offshore-Vehikel zum Teil in Projekte investierte, an denen er privat beteiligt war, wie etwa ein Hochseehafen-Projekt in der Provinz Cabinda.

Auch erhielt Bastos vom Fundo Soberano fürs Management der Staatsfondsgelder über 500 Millionen Dollar an Abgaben und Verwaltungsgebühren, wie Gerichtsunterlagen zeigen. Zum Teil erhielt Bastos die «Fees» auch für Aufträge zugunsten eigener Firmen in der Schweiz, etwa Djembe, Uniqua oder Stampa.

In ihrem Haftantrag gegen Bastos fokussierten Angolas Ermittler um Generalstaatsanwalt Pitta Gros konkret auf eine Immobilien-Transaktion aus den Jahren 2014 und 2015. Damals kaufte der Staatsfonds eine Firmenhülle namens Kijinga, die im Besitz der Banco Kwanza Investimento war. Hauptaktionär der BKI mit 85 Prozent ist Jean-Claude Bastos. Der von Bastos gemanagte Staatsfonds verpflichtete sich über sein Hotel-Investment-Vehikel auf Mauritius, 100 Millionen Dollar in Kijinga einzuschiessen.

Turmprojekt in Luanda

Davon entfielen etwa 85 Millionen Dollar auf ein Hochhaus-Projekts in Luanda. Die Verträge für den geplanten Immobilienkomplex aus Hotel, Büros und Gewerbeeinheiten bestanden zwischen einer Kijinga-Tochter und einer Firma namens Afrique Imo Corporation. Sie gehört ebenfalls im Mehrheitsbesitz dem damaligen Staatsfonds-Verwalter Jean-Claude Bastos.

Die genauen Besitzverhältnisse brachten die «Paradise Papers» ans Licht. Schliesslich basierten sie auf vertraulichen Unterlagen von Appleby, einer auf Offshore-Vehikel spezialisierten Anwaltskanzlei. Deren Kunde war auch Jean-Claude Bastos.

Der veröffentlichte E-Mail-Verkehr zeigt indes auch, dass Appleby auf die latenten Interessenkonflikte beim Hoteldeal hinwies, wonach Bastos Verkäufer, Fondsmanager und Mehrheitseigner der Zielfirma ist. Allerdings machte der Schweiz-Angolaner den Interessenkonflikt transparent und trat fürs besagte Hotel-Investment in den Ausstand.   

Kontensperren rund um den Globus

Gemäss einer gut informierten Quelle nahmen die angolanischen Strafverfolger im letzten Herbst dennoch vertragliche Querelen um den geplanten «High Tech Tower» in der Hauptstadt Luanda zum Anlass, Jean-Claude Bastos in Untersuchungshaft zu setzen. Der Zwangsmassnahme war ein längerer Disput um die Kontrolle über die Milliarden an Staatsfondsgeldern vorausgegangen – auf der einen Seite stand FSDEA-Manager Bastos, auf der anderen die neue angolanische Führung.

Insbesondere die Managementverträge für das drei Milliarden Dollar schwere Private-Equity-Portfolio mit sehr langen Vertragslaufzeiten sollen dem neuen Präsidenten Lourenço ein Dorn im Auge gewesen sein: Er wollte Bastos und seine Zuger Quantum so rasch als möglich weghaben und ohne Abstriche die finanzielle Kontrolle über das gesamte «Fundo»-Vermögen wiedererlangen.

Nachdem die Verhandlungen im Frühjahr endgültig gescheitert waren, beschritt Angola den Rechtsweg, erwirkte Kontensperren rund um den Globus, darunter auch in der Schweiz, und setzte Bastos schliesslich fest.

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Showdown in Luanda

Jean-Claude Bastos Der Ex-Staatsfonds-Verwalter aus der Schweiz hat einen juristischen Sieg errungen. Doch dem Investor droht weiterhin viel Ärger in Angola.

Deutlich fällt das Urteil von Andrew Popplewell Mitte Monat aus. Der Richter am High Court of England and Wales spricht von einer «unfairen Darstellung», die weit über «unbeabsichtigte Versehen» hinausgehe und zentrale Elemente des Verfahrens betreffe. «Die Pflichtverletzungen sind ausreichend schwerwiegend, um das Einfrieren der Vermögenswerte aufzuheben und keine neuen Massnahmen mehr zu gewähren.»

Das Verdikt aus London ist die jüngste Wendung in der juristischen Schlacht zwischen Jean-Claude Bastos, dem Ex-Staatsfonds-Verwalter mit Heimatort Welschenrohr, der ohne Pass in Angola festsitzt, und den dortigen Behörden. Noch im April hatte der High Court vorsorglich das weltweite Einfrieren von 3 Milliarden Dollar an Staatsfonds-Geldern angeordnet, die in von Bastos kontrollierten Private-Equity-Vehikeln auf Mauritius und anderswo lagen.

Globale Kontensperre

Die globale Kontensperre entzog Bastos und dessen Zuger Quantum Global auf einen Schlag die flüssigen Mittel. Die Sperre basierte unter anderem auf dem Verdacht des «Vertragsbruchs und der Verschwörung mit unrechtmässigen Mitteln». Nur drei Monate später erfolgt nun die Rolle rückwärts, nachdem Richter Popplewell die Eingabe materiell geprüft hat. Er kommt zum Schluss, dass Bastos’ Fondsverwaltung zumindest handelsrechtlich einer ersten Prüfung standhält. Dafür dürften Geschäftspartner und Anwalt Thomas Ladner, aber auch ehemalige Weggefährten wie der Zuger Wirtschaftsadvokat Martin Neese oder die Ex-Mitarbeiterin der Wirtschaftskanzlei Walder Wyss, Rahel Rosenow, gesorgt haben. Der jüngste Entscheid ist ein Rückschlag für Angolas Präsidenten João Lourenço, der seit Amtsantritt im letzten Jahr gegen die Getreuen seines langjährigen Vorgängers José Eduardo dos Santos ins Feld zieht. Unter anderen gegen Santos-Sohn Zenú, den Ex-Staatsfonds-Präsidenten, und seinen Freund Jean-Claude Bastos.

Gerungen wird um den 5-Milliarden-Dollar schweren Staatsfonds namens FSDEA (Fundo Soberano de Angola), dessen Verwalter Bastos ab 2013 war. Seit dieser Zeit bezogen er und sein weit verzweigtes Firmengeflecht Gebühren von 560 Millionen Dollar, wie aus dem Urteil hervorgeht. Darin eingerechnet sind 49 Dienstleistungs-Kontrakte für über 150 Millionen Dollar, die der FSDEA an Bastos-eigene Firmen vergab, die auch in der Schweiz ansässig sind. Beispielsweise flossen 10 Millionen an die PR-Firma Djembe oder 36 Millionen an die African Innovation Foundation mit Sitz in Zürich, deren Präsident der Ex-Chef der Deza, Walter Fust, ist.

Machtwechsel bringt Wende

Die enge und lukrative Geschäftsbeziehung zum FSDEA kam mit dem Machtwechsel in Angola letzten Sommer rasch unter Beschuss. Im Nachgang zur Paradise-Papers-Enthüllung liess die neue Regierung im Dezember vom Beratungsunternehmen EY einen Report erstellen, der die Verwaltung des «Fundo» durchleuchtete. Danach entliess man Zenú als FSDEA-Präsidenten und machte sich daran, Quantum Global als Verwalterin abzusetzen. Zunächst entzog der Staatsfonds im Frühjahr dem Zuger Finanzdienstleister ein liquides 2-Milliarden-Dollar-Portfolio.

Ein Mandat, das Bastos über die Jahre rund 80 Millionen Dollar eintrug und dessen Verwaltungsgebühr der EY-Report als «hoch angesichts der Portfoliogrösse» taxiert. «Hoch» sei allerdings eine «verhältnismässig geringfügige Basis für einen Betrugsvorwurf», meint Richter Popplewell. Solche und ähnliche Relativierungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das 34-seitige Urteil, mit dem der Richter des High Court die globale Kontensperre aufhob. Popplewell zerzaust Angolas Klage, die von der internationalen Wirtschaftskanzlei Norton Rose Fulbright erarbeitet wurde, und zwar formal wie materiell. So sei London gar nicht der geeignete Gerichtsstand und die Kontensperre sei sowieso unnötig, weil keine Gefahr der Veruntreuung bestehe. Denn von den 3 Milliarden an Private-Equity-Geldern, die Bastos hätte investieren sollen, liegen 2,2 Milliarden Dollar unangetastet und flüssig bei Northern Trust. Und das US-Finanzhaus billigt seit Frühjahr nur noch Transaktionen, wenn Quantum und «Fundo» gemeinsam zustimmen.

Prima vista professionell

Weiter sieht der Richter keine stichhaltigen Punkte für eine Verschwörung zwischen Zenú und Bastos mit dem Ziel, den Staatsfonds zu plündern. Und auch der Auswahlprozess von Quantum Global als Fondsmanager sei damals – a prima vista – professionell abgelaufen. Weder die Investments selbst, die vereinbarten Fees noch die in den Paradise Papers enthüllten Offshore-Strukturen seien besonders aussergewöhnlich oder verdächtig. Strukturen, in denen auch SBB-Präsidentin Monika Ribar als VR einer Offshore-Hafen-Firma aufgetaucht ist. Und selbst der von der Regierung in Auftrag gegebene EY-Report bezeichnet die Gebühren von Bastos’ Private-Equity-Vehikeln als «traditionell».

Hingegen kritisiert Richter Popplewell mehrfach, dass die Kläger wichtige Fakten unterschlagen oder sogar falsch dargestellt hätten. In dieser Pflichtverletzung resultiert die nun erfolgte Aufhebung der Kontensperre. Denn selbst bei heiklen Geschäftskonstellationen sicherte sich der Fondsverwalter juristisch ab: In ein Hotelprojekt in Luanda flossen 157 Millionen Dollar an Staatsfonds-Geldern. Bastos agierte als Co-Investor. Quantum legte diesen und andere «potential conflicts of interest» 2016 offen und der FSDEA erliess eine Verzichtserklärung auf betroffene Projekte.

Angola-Verfahren ist entscheidend

Auch wird im UK-Urteil betont, dass der Staatsfonds bis im Mai 2013 gar nicht von Bastos-Freund Zenú präsidiert wurde, sondern vom späteren Finanzminister Armando Manuel. Für einen britischen Richter mag dies Beweis genug sein für die personelle Unabhängigkeit des «Fundo». Doch: «Popplewell ist ein Handelsrichter, der Verträge liest und interpretiert», schreibt der regimekritische Journalist Rafael Marques: «Nur ein Kenner der angolanischen Verhältnisse versteht, dass Manuel stets ein Protegé von Zenú war, aber dies vor einem britischen Gericht zu beweisen, ist unmöglich.»

Matchentscheidend wird deshalb das Strafverfahren in Angola sein, das der Generalstaatsanwalt gegen Zenú und Bastos anstrengt. Will der Schweizer den Kopf aus der Schlinge ziehen, werden wohl massive finanzielle Konzessionen nötig, nicht zuletzt weil Präsident Lourenço seine Macht konsolidiert. Bald schon übernimmt er den Vorsitz der Staatspartei MPLA. Seine Rücksichtnahme gegenüber dos Santos und dessen Getreuen dürfte weiter schwinden.

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UBS und Co. riskieren ihren Ruf

Staatsfonds Nun hat es auch die UBS erwischt. Die grösste Schweizer Bank soll Milliarden Dollar dubioser 1MDB-Gelder verschoben haben. Es ist die jüngste Hiobsbotschaft im Korruptionssumpf rund um den malaysischen Staatsfond, dessen illustres Personal zahlreiche Schweizer Institute bereitwillig hofierten. Die Komplizenschaft des Swiss Banking im 1MDB-Skandal ist keine Petitesse, die Klientelwirtschaft in Kuala Lumpur kein Einzelfall. Vielmehr bergen die über 30 Staatsfonds, in denen zusammen mehr als 7 Billionen Dollar stecken, für Banken beträchtliche Sorgfaltrisiken.

Seit den Nullerjahren ist die Zahl an Sovereign Wealth Funds (SWF) stark angewachsen. Nährboden für die staatlichen Investment-Kollosse – zumeist in Asien, dem Mittleren Osten und Afrika angesiedelt – waren und sind die Rohstoff-Bonanza beziehungsweise die daraus resultierenden Exportüberschüsse der jeweiligen Volkswirtschaften.

Staatliches Finanzvehikel gegen den Rohstoff-Fluch

Die SWF sollen den Ländern als Puffer dienen, um die einseitig ausgerichteten Volkswirtschaften gegen Rohstoff-Fluch und Schweine-Zyklen auf dem Weltmarkt zu schützen. Nachfolgenden Generationen soll der aus den Überschüssen gespiesene Kapitalstock den Wohlstand sichern. Und mit Direktinvestments, zum Beispiel in die Infrastruktur, hat der SWF in vielen emerging markets eine zentrale Rolle, die eigene Wirtschaftsbasis zu verbreitern und zu diversifizieren.

Was also auf dem Papier durchaus Sinn ergibt, ist im Realitäts-Check notorisch anfällig für Korruption und Zweckentfremdung. Der Staatsfond als Honigtopf ist oft zu verlockend. Schliesslich sind in Kleptokratien die chinesischen Mauern zwischen Regierung und SWF marode. Ob Malaysia, Libyen oder China – in den letzten Jahren gab es zahlreiche Fälle von Vetternwirtschaft und Missmanagement bei SWF. Mittendrin waren stets internationale Banken, welche sich als Asset Manager und Dealmaker andienten. Schliesslich locken grosse Volumina und satte Gebühreneinnahmen. Dieses Milliardengeschäft lassen sich auch Schweizer Institute nicht entgehen: Wer weiss schon, dass die UBS für den Staatsfonds im fernen Aserbaidschan das milliardenschwere Aktienportfolio verwaltet? Oder dass in Zug der verschwiegene Asset Manager des angolanischen Staatsfonds sitzt?

Saubere Transaktionen von illegitimen Geldflüssen unterscheiden

Diese Finanzgeschäfte mit dem SWF mögen durchaus legitim sein, doch die Regimes in vielen Schwellenländern sind es definitiv nicht. Dem Klientelismus kann sich auch das Swiss Banking nicht entziehen, wie der 1MDB-Fall gezeigt hat: Saubere Transaktion von illegitimen Geldflüssen zu unterscheiden, wird zum Vabanque-Spiel.

Es ist deshalb mehr als Warnung denn als Hinweis zu verstehen, wenn Finma-Chef Mark Branson sagt, mit dem stark wachsenden Business in Schwellenländern hätten die Geldwäschereirisiken massiv zugenommen. UBS und Co. riskieren im Geschäft mit SWF ihren Ruf.