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Credit Suisse – Die Finma mistet die Ära Rohner aus

Credit Suisse Die Finanzmarktaufsicht eröffnet ein Verfahren gegen die CS. Es geht um eine weitere Altlast von Präsident Urs Rohner.

Es sind noch wenige Monate, dann tritt Urs Rohner als Credit-Suisse-Präsident ab. Nach sage und schreibe fast zehn Jahren im Amt. Auf die Generalversammlung im nächsten April werden die Aktionäre der Grossbank einen neuen CS-Oberaufseher wählen. Die Kandidatensuche läuft. Derweil beschäftigt sich die Finanzmarktaufsicht bereits seit geraumer Zeit mit den Altlasten der Langzeit-Ära von Urs Rohner. 

Mangelhafter Geldwäscherei-Kampf der Credit Suisse

Im September 2018 hat die Finma in zwei gesonderten Enforcement-Verfahren festgestellt, dass die Geldwäscherei-Bekämpfung der CS «mangelhaft» sei. Das war eine schallende Ohrfeige für Präsident Rohner, der ab 2004 als General Counsel und später als Operativchef der Bank just diese Money-Laundering-Missstände nicht entschieden bekämpft hatte. Daneben läuft übrigens auch ein gesondertes Strafverfahren gegen die CS in Genf wegen Organisationsmängeln. 

Doch damit nicht genug. Keine zwei Jahre später folgt bereits das nächste Enforcement gegen die Credit Suisse. Dieses Mal geht es um die sogenannte «Beschattungsaffäre». Der damalige Vermögenschef Iqbal Khan wurde im «Garden Leave» vor seinem Wechsel zur UBS von CS-Detektiven ausgespäht, weil die Bank fürchtete, Khan könnte Kunden und Kollegen zur Konkurrentin locken. 

Juristischer Widerstand der Credit Suisse

Im Finma-Fokus steht aber nicht die ruppige Beschattungsaktion gegen Khan am Zürcher Paradeplatz, sondern die Art und Weise, wie die Bank solche Spy-Aktionen dokumentiert und kontrolliert. Oder eben nicht. 

Seit Anfang Jahr leuchtete der von der Finma eingesetzte Prüfbeauftrage, Rechtsanwalt Thomas Werlen, die Beschattungsaktivitäten der CS-Spitze auf solche Governance-Fragen hin aus. Dies trotz massivem rechtlichem Widerstand der Grossbank, deren Hausjuristen versuchten, Werlen beziehungsweise dessen Kanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan vom Gericht als befangen taxieren zu lassen. Insofern mutet das heutige CS-Communiqué geradezu euphemistisch an: Die Bank, so die Mitteilung, werde gemeinsam mit der Aufsichtsbehörde «aktiv auf eine lückenlose und zügige Aufarbeitung dieser Angelegenheit» hinarbeiten. 

Threema-Kommunikation nicht sauber dokumentiert

Nichtsdestotrotz waren Werlens Erkenntnisse über mögliche Verfehlungen der Bankspitze offenbar so stichhaltig, dass die Aufsicht nun ein eigentliches Enforcement-Verfahren eröffnet. Die Rede ist von verschlüsselter, nicht sauber dokumentierter Kommunikation über sichere Messaging-Apps wie Threema. Eine zweifelhafte Praxis, die offenbar bis in die höchsten Sphären der Bank verbreitet war. 

Entsprechend ist dieses Enforcement eine weitere Schmach für den scheidenden CS-Präsidenten. Umso mehr als sich Rohner im Zuge der Spygate-Affäre zur Aussage verstieg, wonach die Beschattung von Mitarbeitenden nicht zur Kultur der Bank gehöre. Dies löst unter Branchenkennern nur Kopfschütteln aus. Dass Banker bespitzelt werden, wenn sie beispielsweise den Arbeitgeber wechseln, ist gang und gäbe. Dafür ist schlicht zu viel Geld im Spiel.

Auch in seinem zehnten Präsidentenjahr scheint Rechtsanwalt Rohner die gängige Banking-Kultur nicht zu kennen.

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Spygate – Die Credit Suisse verliert gegen die Finma

Spygate Die Grossbank hält in der Beschattungsaffäre den Prüfbeauftragten der Finanzmarktaufsicht für befangen. Und verliert vor Gericht.

Die missglückte Beschattung des heutigen UBS-Spitzenbankers Iqbal Khan durch seine frühere Arbeitgeberin Credit Suisse hielt die Schweiz im 2019 monatelang in Atem.

Im Nachgang zur Spygate-Affäre gab die Finanzmarktaufsicht Finma im Dezember bekannt, dass sie bei der Credit Suisse einen unabhängigen Prüfbeauftragen einsetzen werde.

Die Beschattungsaffäre habe aufsichtsrechtlich relevante Fragen aufgeworfen, schrieb die Finma damals. Der Prüfbeauftragte solle Fragen der Corporate Governance abklären, insbesondere in Zusammenhang mit Beschattungsaktivitäten, mit dem Informationsverhalten in diesem Kontext sowie der Nutzung von elektronischen Kommunikationsmitteln.

CS-Manager löschten heikle Nachrichten

Konkret war bekannt geworden, dass sich Topmanager der Credit Suisse im Rahmen der missglückten Beschattungsaktion über den verschlüsselten Schweizer Messaging-Dienst Threema austauschten und die kompromittierenden Nachrichten später löschten.

Unter den Threema-Usern befand sich der damalige Operativchef Pierre-Olivier Bouée, der später vom Credit-Suisse-Verwaltungsrat entlassen wurde. Auch Mitglieder des CS-VR sollen gemäss einer gut unterrichteten Quelle den Threema-Dienst benutzt haben.

Anschein der Befangenheit

Nach der öffentlichen Ankündigung im Dezember setzte die Finma schliesslich per Ende Januar als Spygate-Prüfbeauftragten Rechtsanwalt Thomas Werlen ein.

Er führt den Schweizer Ableger der us-amerikanischen Grosskanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan. Der Finma-Auftrag sieht einen Stundenlohn von 750 Franken für den ehemaligen Novartis-Chefjuristen vor.

Werlens Ernennung zu Spygate kam schlecht an

Die Wahl Werlens goutierte die Credit Suisse um den Verwaltungsratspräsidenten und Juristen Urs Rohner indes gar nicht. Praktisch gleichentags erhob die Grossbank gegen die Prüfbeauftragten-Verfügung der Finma Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht.

Die Credit Suisse bemängelte in der Beschwerde, dass Werlen nicht unabhängig sei. Vielmehr sei er Teil einer international tätigen Anwaltskanzlei, nämlich Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan, die sich ihrer Tätigkeit gegen die Credit Suisse rühme.

Deren amerikanische Homepage würde eine «feindselige Haltung» zum Ausdruck bringen. Dabei bestehe nicht nur der Anschein der Befangenheit, (…), sondern die Kanzlei sei «aufgrund zahlreicher Verfahren, die sie als Rechtsvertreterin gegen die Credit Suisse geführt habe, auch tatsächlich befangen».

In der Tat ist es so, dass andere Rechtsvertreter von Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan mindestens einen Mandanten haben, der aktuell gegen die Credit Suisse juristisch vorgeht. Dabei wurden Betreibungen gegen die CS eingereicht, und zwar zum Zwecke des Unterbruchs der Verjährung.

Es handelt sich gemäss Recherchen der «Handelszeitung» um eine Gesellschaft des russischen Multimillionärs Vitaly Malkin, der von der Grossbank mehrere hundert Millionen Dollar einfordert. Die Bank soll ihre Sorgfaltspflichten verletzt haben.

Dabei soll ein Genfer CS-Banker Gelder der Gesellschaft in hochspekulative Anlagen investiert haben. Dieser ehemalige Angestellte der Credit Suisse wurde inzwischen rechtskräftig wegen Betrugs und weiteren Delikten verurteilt.

CS-Anwälte präsentieren Youtube-Film wegen Spygate

Obwohl die Beschattungsaffäre Khan in keinerlei Zusammenhang steht zum geschilderten Vermögensverwaltungsfall, fürchtet die CS offenbar nun, dass der von der Finma eingesetzte Prüfbeauftragte Werlen Geschäftsgeheimnisse der Bank in die Grosskanzlei zurückspielen könnte.

«Die Prüfbeauftragte sei wirtschaftlich nicht unabhängig, sondern Teil einer integrierten und global tätigen Anwaltskanzlei», argumentierten die Rechtsvertreter der CS Anfang April vor Bundesverwaltungsgericht.

Als Beweismittel musste unter anderem ein Youtube-Film herhalten, der Mitarbeiter aus diversen Depandancen der amerikanischen Grosskanzlei beim letztjährigen Wanderausflug in Interlaken zeigt.

Trotz dieses Films verfängt das Befangenheitsargument bei den Richtern am Bundesverwaltungsgericht nicht. Sie kommen auch in finanzieller Hinsicht zum Schuss: «Es gibt keinerlei Hinweis dafür, dass der Mandatsleiter – wie von den Beschwerdeführerinnen behauptet – als Partner am Gewinn einer integrierten globalen Gesamtkanzlei beteiligt wäre.»

Thomas Werlen ist für die BVG-Richter also ein unabhängiger Finma-Prüfbeauftrager. Sie haben die Beschwerde der Credit Suisse mit ihrem Urteil vom 6. April abgewiesen. Die Credit Suisse hat nun 30 Tage Zeit, um dagegen Rekurs vor Bundesgericht einzulegen.

Per Briefbote wird kommuniziert

Interessant am Urteil ist auch, dass der ehemalige Fifa-Verteidiger Werlen sich offenbar aktiv bemüht, Interessenskonflikte auszuräumen. So kommuniziert Werlen mit der Credit Suisse ausschliesslich über physische Briefe per Bote.

Dazu schreiben die BVG-Richter: Dies sei darauf zurückzuführen, dass Werlen kein unabhängiges E-Mail System habe und das zentrale E-Mail System von Quinn Emmanuel in den USA gehostet werde.

Werlen und Rohner waren bei der gleichen Kanzlei

Die ablehnende Haltung der Grossbank gegenüber Thomas Werlen könnte auch damit zu tun haben, dass Werlen eine berufliche Vergangenheit hat mit dem heutigen Credit-Suisse-Präsidenten Urs Rohner. Beide arbeiteten in den Neunziger Jahren für die Zürcher Anwaltskanzlei Lenz & Staehlin.

Nun aber droht der Finma-Prüfbeauftragte Werlen dem CS-Präsidenten unangenehm zu werden. Gemäss einer gut unterrichteten Quelle soll Werlen versucht haben, die Mobiltelefone sämtlicher Geschäftsleitungsmitglieder und Verwaltungsräte der Grossbank Credit Suisse einzuziehen. Allerdings erfolglos. Affaire à suivre.