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Die Angst, etwas zu verpassen

Start-up-Hype Der Hype ist mit den Händen zu greifen. Wie Pilze schiessen derzeit Startup-Brutkästen, Fintech-Labors, Innovationsparks und Gründer-WGs aus dem Boden. Ob Swisscom, Swiss Life, SBB, UBS oder die Schweizerische Post – kein Schweizer Konzern will abseits stehen, wenn technologieaffine Jungspunde am Geschäft der Zukunft basteln.

Schliesslich könnte die konzerneigene Ertragsbasis disruptiert werden. So umschwärmen Big Corporates derzeit findige Startup-Unternehmer, die „etwas mit Internet machen“, wie Popstars. Das Wagniskapital sprudelt nur so. Und obendrein winken gratis Büroraum und ein direkter Draht in die Teppichetage. Denn in den Konzernzentralen grassiert die nackte Angst, etwas zu verpassen. Deshalb hofieren die Baby-Boomer an den Schalthebeln der Macht die Generationen Y und Z als Internet-Heilsbringer.

Dies führt in der Schweiz zur absurden Situation, dass mittlerweile mehr digitale Brutkästen existieren als innovative Startup-Zöglinge vorhanden wären. Die Situation erinnert frappant an die aufgeheizte Jahrtausendwende. Der „Neue Markt“ produzierte damals einen Internet-Glücksritter nach dem anderen. Was sie vereinte, waren hochtrabende Businesspläne ohne wirkliches Geschäftsmodell.

Oder wer erinnert sich noch an börsenkotierte Schweizer Firmen wie Fantastic, Miracle oder Think Tools? Eben. Die Konzerne sind gewarnt.

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Silenen liegt nicht im Silicon Valley

Innovation Die Spitzen von Schweizer Politik und Wirtschaft reisten kürzlich ins Silicon Valley, um sich in der „Kunst der Innovation“ zu üben. Angeführt von Wirtschaftsminister Schneider-Ammann, reiste die Delegation durch die „Bay Area“, besuchte Startups, traf Vertreter grosser Technologiekonzerne und dinierte mit Risikokapitalisten. Was als Bildungsreise angedacht war, entpuppte sich als Entzauberung eidgenössischer Erfolgsmodelle.

Zwar belegt die Schweiz regelmässig die vordersten Plätze, wenn es um Innovationskraft oder Wettbewerbsfähigkeit geht. Unsere Pro-Kopf-Patentquote ist weltweit unerreicht. Doch die statistische Signifikanz bildet die Lebenswirklichkeit nicht ab. Jene Innovationen, die unseren Alltag prägen und prägen werden, stammen eben nicht aus Silenen, sondern aus dem Silicon Valley. Schuld daran ist nicht die mangelnde Innovationsförderung oder das fehlende „seed money“.

Es hilft auch nicht, die sogenannten Rahmenbedingungen zu verbessern oder Innovationsparks zu dekretieren. Kein staatlicher Interventionismus kann die Mentalität wandeln. Solange in der Schweiz berufliches Scheitern als schwere Erbsünde gilt und nicht als Chance zum Neuanfang, scheuen Unternehmer das Risiko wie der Teufel das Weihwasser. Gepaart mit einem ingenieursgetriebenen Hang zur Perfektion, führt dies zu viel Solidität, aber wenig Grossem und Bahnbrechendem.

Daran ändert auch keine Bildungsreise etwas.