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Credit Suisse – Die Grossbank gehört filetiert

Credit Suisse Der neue CS-Präsident António Horta-Osório ist nicht zu beneiden. Er übernimmt eine Bank in strukturellen Schwierigkeiten. Dabei sind die jüngsten Milliardenskandale – Archegos und Greensill – nur akute Symptome eines langen Leidens. Es heisst «One Bank» und verursacht stetig neue Krankheitsschübe.

Hohe Risiken verheissen hohe Boni

Das Konvolut aus Vermögensverwaltung, Investment Banking und Asset Management hat bisher einzig und allein die CS-Banker selbst gesundgestossen. Schliesslich konnten Asset-Fabrikanten und IB-Dealmaker ihre «Produkte» bankintern ins Kundenportfolio drücken. Dass dies inhärente Interessenkonflikte erzeugt, musste sie nicht kümmern. Schliesslich verheissen hohe Risiken hohe Boni. Allfällige Kollateralschäden trugen bisher entweder Kunden oder Aktionäre. Im schlimmsten Fall wären es gar die Steuerzahler wie weiland bei der UBS.

Endlich die Credit Suisse klar positionieren

Insofern bleibt zu hoffen, dass Präsident Horta-Osório dieses Governance-Fehlkonstrukt namens Credit Suisse endlich filetiert: Das viel zu kleine Asset Management gehört verkauft oder zu stattlicher Grösse fusioniert. Die erfolgreiche und digitalaffine Schweizer Universalbank ist separat an die Börse zu bringen, wie dies Ex-Chef Tidjane Thiam wollte. Und mit dem Erlös aus dem IPO hätte die CS die nötigen Mittel, um sich endlich klar zu positionieren. Entweder als reine Vermögensbank, sozusagen eine Julius Bär «on steroids». Oder dann – der CS-Historie entsprechend – als Handels- und Investment-Bank. Beides gleichzeitig geht nicht. Dies haben die jüngsten Skandale erneut gezeigt.

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Der Regenmacher wittert Morgenluft

Er dürfte tief durchgeatmet haben, als der CS-Verwaltungsrat jüngst den Teil-Börsengang seiner Schweiz-Bank abgeblasen hat. Die Rede ist von Thomas Gottstein, der seit zwei Jahren die wichtigste CS-Sparte leitet. Mehr als die Hälfte des Vorsteuergewinns der globalen Grossbank stammt mittlerweile aus seinem Schweiz-Geschäft. Die Cash-Cow mit Minderheitsaktionären teilen zu müssen, bleibt Gottstein erspart.

Statt einem Teil-IPO werden die CS-Aktionäre an einer ausserordentlichen Generalversammlung über eine Kapitalerhöhung zu befinden haben. Die angepeilten 4 Milliarden Franken sind am oberen Ende dessen, was einst ein Teil-Börsengang der Schweiz-Tochter hätte einspielen sollen. Die Geldspritze über Bezugsrechte verbessert nicht nur das Eigenkapitalpolster der CS, sondern erhöht auch deren strategische Flexibilität. Gerade im so wichtigen Schweiz-Geschäft.

Die CS Schweiz ist ohne Minderheitsaktionäre flexibler bei Übernahmen

Denn was in der allgemeinen Empörung über sesselklebende Präsidenten, überrissene Boni und Milliardenverluste der Konzernmutter beinahe vergessen ging: Der Teil-IPO war von CS-Chef Tidjane Thiam auch dazu gedacht, an flüssige Mittel zu kommen, um hiesige Vermögensverwalter aufsaugen zu können. Man wolle die Konsolidierung der Schweizer Privatbankszene aktiv mitgestalten, sagte der Ex-Mc-Kinsey-Mann Thiam im Herbst 2015 bei der Präsentation seiner Bankstrategie.

Doch der Teufel liegt im Detail, wie man CS-intern feststellen musste. Das komplexe Setup mit einer teilkotierten Schweiz-Tochter wäre nämlich kaum in der Lage gewesen, hiesige Vermögensinstitute zu schlucken. Geschweige denn mit vernünftigem Aufwand zu verdauen. Denn die meisten Privatbanken hierzulande verwalten auch ausländische Assets, welche die Schweiz-Tochter an die Konzernmutter hätte weiterreichen müssen. Gottstein & Co. drohten bei Übernahmen hitzige Diskussionen mit Minderheitseignern über den Wert der eingekauften Assets. Diese Zwänge sind nun vom Tisch.

Der Ex-Investment-Banker Gottstein, der einst den Börsenggang von Glencore stemmte, wittert deshalb M&A-Morgenluft. Nicht zuletzt, weil die Vorgaben für seine Schweizer Einheit sehr sportlich sind. Im nächsten Jahr soll der Vorsteuergewinn 2,3 Milliarden Franken betragen. Rund einen Drittel mehr als 2016. Ohne eingekauftes Wachstum dürften die Ziele kaum zu erreichen sein.

Statt eines transformativen Deals winkt eine Staubsaugerstrategie
Für einen transformativen Deal à la Julius Bär oder Vontobel fehlt der CS auf dem Heimmarkt sowohl ein Verkäufer wie das nötige Kleingeld, trotz Kapitalschnitt. Machbar hingegen ist eine Staubsaugerstrategie. Hierzulande tummeln sich immer noch über 200 Privatbanken mit weniger als 15 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen. Sie kämpfen mit dem Strukturwandel. Die Margen schrumpfen, die Kosten gehen durch die Decke. Hier will die CS ansetzen: entweder als Dienstleister für Kleine oder als deren Käufer.