Kategorien
Beitrag Handelszeitung

Showdown in Luanda

Jean-Claude Bastos Der Ex-Staatsfonds-Verwalter aus der Schweiz hat einen juristischen Sieg errungen. Doch dem Investor droht weiterhin viel Ärger in Angola.

Deutlich fällt das Urteil von Andrew Popplewell Mitte Monat aus. Der Richter am High Court of England and Wales spricht von einer «unfairen Darstellung», die weit über «unbeabsichtigte Versehen» hinausgehe und zentrale Elemente des Verfahrens betreffe. «Die Pflichtverletzungen sind ausreichend schwerwiegend, um das Einfrieren der Vermögenswerte aufzuheben und keine neuen Massnahmen mehr zu gewähren.»

Das Verdikt aus London ist die jüngste Wendung in der juristischen Schlacht zwischen Jean-Claude Bastos, dem Ex-Staatsfonds-Verwalter mit Heimatort Welschenrohr, der ohne Pass in Angola festsitzt, und den dortigen Behörden. Noch im April hatte der High Court vorsorglich das weltweite Einfrieren von 3 Milliarden Dollar an Staatsfonds-Geldern angeordnet, die in von Bastos kontrollierten Private-Equity-Vehikeln auf Mauritius und anderswo lagen.

Globale Kontensperre

Die globale Kontensperre entzog Bastos und dessen Zuger Quantum Global auf einen Schlag die flüssigen Mittel. Die Sperre basierte unter anderem auf dem Verdacht des «Vertragsbruchs und der Verschwörung mit unrechtmässigen Mitteln». Nur drei Monate später erfolgt nun die Rolle rückwärts, nachdem Richter Popplewell die Eingabe materiell geprüft hat. Er kommt zum Schluss, dass Bastos’ Fondsverwaltung zumindest handelsrechtlich einer ersten Prüfung standhält. Dafür dürften Geschäftspartner und Anwalt Thomas Ladner, aber auch ehemalige Weggefährten wie der Zuger Wirtschaftsadvokat Martin Neese oder die Ex-Mitarbeiterin der Wirtschaftskanzlei Walder Wyss, Rahel Rosenow, gesorgt haben. Der jüngste Entscheid ist ein Rückschlag für Angolas Präsidenten João Lourenço, der seit Amtsantritt im letzten Jahr gegen die Getreuen seines langjährigen Vorgängers José Eduardo dos Santos ins Feld zieht. Unter anderen gegen Santos-Sohn Zenú, den Ex-Staatsfonds-Präsidenten, und seinen Freund Jean-Claude Bastos.

Gerungen wird um den 5-Milliarden-Dollar schweren Staatsfonds namens FSDEA (Fundo Soberano de Angola), dessen Verwalter Bastos ab 2013 war. Seit dieser Zeit bezogen er und sein weit verzweigtes Firmengeflecht Gebühren von 560 Millionen Dollar, wie aus dem Urteil hervorgeht. Darin eingerechnet sind 49 Dienstleistungs-Kontrakte für über 150 Millionen Dollar, die der FSDEA an Bastos-eigene Firmen vergab, die auch in der Schweiz ansässig sind. Beispielsweise flossen 10 Millionen an die PR-Firma Djembe oder 36 Millionen an die African Innovation Foundation mit Sitz in Zürich, deren Präsident der Ex-Chef der Deza, Walter Fust, ist.

Machtwechsel bringt Wende

Die enge und lukrative Geschäftsbeziehung zum FSDEA kam mit dem Machtwechsel in Angola letzten Sommer rasch unter Beschuss. Im Nachgang zur Paradise-Papers-Enthüllung liess die neue Regierung im Dezember vom Beratungsunternehmen EY einen Report erstellen, der die Verwaltung des «Fundo» durchleuchtete. Danach entliess man Zenú als FSDEA-Präsidenten und machte sich daran, Quantum Global als Verwalterin abzusetzen. Zunächst entzog der Staatsfonds im Frühjahr dem Zuger Finanzdienstleister ein liquides 2-Milliarden-Dollar-Portfolio.

Ein Mandat, das Bastos über die Jahre rund 80 Millionen Dollar eintrug und dessen Verwaltungsgebühr der EY-Report als «hoch angesichts der Portfoliogrösse» taxiert. «Hoch» sei allerdings eine «verhältnismässig geringfügige Basis für einen Betrugsvorwurf», meint Richter Popplewell. Solche und ähnliche Relativierungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das 34-seitige Urteil, mit dem der Richter des High Court die globale Kontensperre aufhob. Popplewell zerzaust Angolas Klage, die von der internationalen Wirtschaftskanzlei Norton Rose Fulbright erarbeitet wurde, und zwar formal wie materiell. So sei London gar nicht der geeignete Gerichtsstand und die Kontensperre sei sowieso unnötig, weil keine Gefahr der Veruntreuung bestehe. Denn von den 3 Milliarden an Private-Equity-Geldern, die Bastos hätte investieren sollen, liegen 2,2 Milliarden Dollar unangetastet und flüssig bei Northern Trust. Und das US-Finanzhaus billigt seit Frühjahr nur noch Transaktionen, wenn Quantum und «Fundo» gemeinsam zustimmen.

Prima vista professionell

Weiter sieht der Richter keine stichhaltigen Punkte für eine Verschwörung zwischen Zenú und Bastos mit dem Ziel, den Staatsfonds zu plündern. Und auch der Auswahlprozess von Quantum Global als Fondsmanager sei damals – a prima vista – professionell abgelaufen. Weder die Investments selbst, die vereinbarten Fees noch die in den Paradise Papers enthüllten Offshore-Strukturen seien besonders aussergewöhnlich oder verdächtig. Strukturen, in denen auch SBB-Präsidentin Monika Ribar als VR einer Offshore-Hafen-Firma aufgetaucht ist. Und selbst der von der Regierung in Auftrag gegebene EY-Report bezeichnet die Gebühren von Bastos’ Private-Equity-Vehikeln als «traditionell».

Hingegen kritisiert Richter Popplewell mehrfach, dass die Kläger wichtige Fakten unterschlagen oder sogar falsch dargestellt hätten. In dieser Pflichtverletzung resultiert die nun erfolgte Aufhebung der Kontensperre. Denn selbst bei heiklen Geschäftskonstellationen sicherte sich der Fondsverwalter juristisch ab: In ein Hotelprojekt in Luanda flossen 157 Millionen Dollar an Staatsfonds-Geldern. Bastos agierte als Co-Investor. Quantum legte diesen und andere «potential conflicts of interest» 2016 offen und der FSDEA erliess eine Verzichtserklärung auf betroffene Projekte.

Angola-Verfahren ist entscheidend

Auch wird im UK-Urteil betont, dass der Staatsfonds bis im Mai 2013 gar nicht von Bastos-Freund Zenú präsidiert wurde, sondern vom späteren Finanzminister Armando Manuel. Für einen britischen Richter mag dies Beweis genug sein für die personelle Unabhängigkeit des «Fundo». Doch: «Popplewell ist ein Handelsrichter, der Verträge liest und interpretiert», schreibt der regimekritische Journalist Rafael Marques: «Nur ein Kenner der angolanischen Verhältnisse versteht, dass Manuel stets ein Protegé von Zenú war, aber dies vor einem britischen Gericht zu beweisen, ist unmöglich.»

Matchentscheidend wird deshalb das Strafverfahren in Angola sein, das der Generalstaatsanwalt gegen Zenú und Bastos anstrengt. Will der Schweizer den Kopf aus der Schlinge ziehen, werden wohl massive finanzielle Konzessionen nötig, nicht zuletzt weil Präsident Lourenço seine Macht konsolidiert. Bald schon übernimmt er den Vorsitz der Staatspartei MPLA. Seine Rücksichtnahme gegenüber dos Santos und dessen Getreuen dürfte weiter schwinden.

Kategorien
Beitrag Handelszeitung

Angola will Bastos absetzen

Jean-Claude Bastos Angolas Staatsfonds plant, der Zuger Quantum das Private-Equity-Mandat über 3 Milliarden Dollar zu entziehen.

Man habe «grosse Bedenken» hinsichtlich der Vorgehensweise von Quantum Global bei der Anlage der Gelder des Staatsfonds. QuantumsVorgehensweise stimme nicht mit den Grundsätzen des Staatsfonds überein, schreibt FSDEA in einem kürzlich veröffentlichten Statement: «Als Konsequenz aus den Untersuchungen durch international führende Consultants unternimmt FSDEA nun Schritte, um Quantum als Vermögensverwalter zu entfernen».

Auf Mauritius verwaltet

Das nun angekündigte Ende der Geschäftsbeziehungen bezieht sich auf jene drei Milliarden Dollar an Private-Equity-Beteiligungsfonds, die Jean-Claude Bastos und seine Quantum Global auf der Insel Mauritius verwaltet haben. Bereits Anfang Monat hat die «Handelszeitung» darüber berichtet, dass der Staatsfonds FSDEA die Vermögensverwaltung mit der Zuger Tochter Quantum Global beendet hatte. Es ging damals um 1,7 Milliarden Dollar an klassische Anlageportfolios.

Rochade an der Spitze des Staatsfonds

Der Kündigung der Milliardenmandate ging ein Führungswechsel beim angolanischen Staatsfonds FSDEA voraus. Anfang Jahr wurde der Sohn des angolanischen Ex-Präsidenten Dos Santos – ein Jugendfreund von Bastos – an der Spitze des mit 5 Milliarden Dollar dotierten Staatsfonds abgelöst. Der Rochade war eine Untersuchung einer internationalen Consultingfirma beim Staatsfonds vorausgegangen. Sie führte unter anderem zu Tage, dass es seinerzeit bei der Vergabe der Verwaltungsmandate an die Quantum Gruppe an Transparenz mangelte. Gleichzeitig fehle es an Risikostreuung, weil Quantum den Grossteil der FSDEA-Mandate auf sich vereinte.

Dutzende Bankkonten des angolanischen Staatsfonds wurden kürzlich in Mauritius wegen des Verdachts der Unterschlagung von Geldern während der Amtszeit seines früheren FSDEA-Präsidenten, Filomeno «Zenu» dos Santos, gesperrt. Konkret hat der maurizische Fondsregulator FSC auch alle von Quantum gemanagten Investmentvehikel des angolanischen Staatsfonds gesperrt. Die sieben Vehikel decken Bereiche wie Gesundheitswesen, Holzwirtschaft, Minen oder Hotellerie ab. In den jeweiligen Verwaltungsräten sass stets der damalige Präsidentensohn Zenu, ein enger Freund Bastos’. Das Nettovermögen der sieben Mauritius-Fonds betrug gemäss Staatsfonds-Bericht per Ende 2015 rund 2,7 Milliarden Dollar.

Bastos hofft auf einvernehmliche Lösung

In einer ersten Stellungnahme hat Quantum Global die «Einschüchterungstaktik» ihres angolanischen Auftraggebers FSDEA verurteilt. Die Gruppe wiederholte gleichzeitig ihre Forderung nach einem fairen Verfahren. Die Absicht des FSDEA, Quantum Global aus dem Management der in Mauritius ansässigen Private-Equity-Fonds zu entfernen, würde «langfristig vertragliche Vereinbarungen» verletzen. Jede übereilte Entscheidung, die FSDEA-Mittel einzufrieren oder abzubauen, würde zu einem erheblichen Wertverlust des bestehenden Portfolios führen, da sich viele dieser Projekte in der frühen Entwicklungsphase befinden. Weiter hofft Quantum Global im Statement darauf, die Sache mit FSDEA auf «einvernehmliche Weise» zu lösen.

Kategorien
Beitrag Handelszeitung

Britisches Gericht friert Gelder ein

Jean-Claude Bastos Auf Antrag Angolas hat der High Court weltweit Vermögen der Zuger Quantum eingefroren.

Der Rechtsstreit zwischen dem Staatsfonds Angolas FSDEA und ihrem Assetmanager, der Zuger Quantum Global um den Unternehmer Jean-Claude Bastos, eskaliert. Der FSDEA hat jüngst vor dem High Court of Justice in London eine weltweite Kontensperre für jene 3 Milliarden Dollar Private-Equity-Vermögen erwirkt, die das Verwaltungsmandat von 2013 mit der Zuger Gesellschaft Quantum Global Investment Management (QGIM) umfassen. Der Gerichtserlass liegt der «Handelszeitung» vor (siehe unten) und kann frühestens Mitte Mai angefochten werden. Im Verwaltungsrat der Zuger Bastos-Firma QGIM sitzen die beiden Wirtschaftsanwälte Thomas Ladner und Martin Neese. Letzterer gehört unter anderem der Kontaktgruppe Geldwäschereibekämpfung des Bundes an.

Tiefseehafen-Projekt

Die Kontensperre umfasst die Private-Equity-Fondsvehikel von Quantum. Sie decken Bereiche wie Gesundheitswesen, Holzwirtschaft, Minen und Hotellerie ab. Unter den aufgeführten Gesellschaften befindet sich die Capoinvest Limited auf den Britischen Jungferninseln. Es handelt sich um jene Offshore-Gesellschaft, für welche SBB-Präsidentin und Sika-Verwaltungsrätin Monika Ribar bis 2016 im Verwaltungsrat sass, wie die «Handelszeitung» im letzten Herbst berichtete. Capoinvest ist indirekt Eignerin eines Tiefseehafen-Projekts namens Caioporto vor der Küste der angolanischen Provinz Cabinda.

Quantum Global hat Kenntnis vom Gerichtserlass, teilte aber vor wenigen Tagen mit, man habe die Dokumente noch nicht erhalten. Jean-Claude Bastos war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Konsequenz aus Untersuchung

Der angolanische Staatsfonds FSDEA hat zudem angekündigt, Quantum das Private-Equity-Mandat über 3 Milliarden Dollar zu entziehen. Man habe «grosse Bedenken» hinsichtlich der Vorgehensweise von Quantum Global bei der Anlage der Gelder des Staatsfonds. Quantums Vorgehensweise stimme nicht mit den Grundsätzen des Staatsfonds überein, schreibt FSDEA in einem jüngst veröffentlichten Statement: «Als Konsequenz aus den Untersuchungen durch international führende Consultants unternimmt FSDEA nun Schritte, um Quantum als Vermögensverwalter zu entfernen.» Quantum selbst spricht von einer «Einschüchterungstaktik» seitens ihres Kunden FSDEA.

Kategorien
Beitrag Handelszeitung

Die Swiss-Angola-Connection

Jean-Claude Bastos Der Schweizer Investor will das westafrikanische Angola entwickeln. Mit eigenen Megaprojekten, Staatsmilliarden und prominentem Netzwerk.

Das Herz Angolas schlägt über einer Migros-Filiale im Zürcher Kreis 1. Im ersten Stock sitzt an einem Holztisch der schweizerisch- angolanische Investor und Unternehmer Jean-Claude Bastos in weissem Hemd und schwarzer Hose. Er mustert sein Gegenüber kurz durch die Hornbrille, schwingt sich lässig in die Stuhllehne und sagt in breitem Freiburger Dialekt: «Natürlich bin ich ein Klumpenrisiko.»

Die Aussage ist eine blanke Untertreibung. Denn «Jay-Cee», wie er sich im Gespräch nennt, ist überall und nirgends. Ein hyperaktiver Netzwerker für die Sache des Schwarzen Kontinents, im Besonderen für Angolas Wirtschaft. 20 Prozent weilt er in der Schweiz, 30 Prozent in Westafrika und 50 Prozent jettet er sonstwo auf der Welt umher. Heute Dubai, morgen Durban, übermorgen Dubrovnik. Und dazwischen wirbelt er aus seinem Zürcher Office über der Migros-Filiale.
Afrikas Bevölkerungsexplosion treibt Bastos um.

Mit Unternehmertum will er Jobchancen für Junge schaffen. Private Equity als Alternative zur westlichen Entwicklungshilfe, die wenig nachhaltig sei. Sein «Africa for Africa»-Credo trägt der schwerreiche Serienunternehmer mit gemeinnützigen Initiativen in die Welt hinaus: Vom African Innovation Fund mit Ex-Deza-Chef Walter Fust als Präsidenten bis zum Londoner Think-Tank Omfif, der über die Zentralbanken-Landschaft sinniert.

Gleichzeitig managt der rastlose Bastos den mit 5 Milliarden Dollar dotierten Staatsfonds Angolas und baut an einem 800 Millionen Dollar teuren Tiefseehafen vor der Küste Cabindas. Sein «Bébé», wie er das logistische Megaprojekt nennt.

Auf seiner Mission hat der Charismatiker mit Heimatort Welschenrohr im Kanton Solothurn auch das Schweizer Wirtschaftsestablishment in seinen Bann gezogen: Ob SBB-Verwaltungsrätin Monika Ribar, alt Bundesrätin Ruth Metzler, Starwerber Frank Bodin oder der ehemalige UBS-Chef Marcel Rohner. Sie alle haben Jean-Claude Bastos in seinen Firmen als Verwaltungsräte oder Beiräte zur Seite gestanden.


Unterstützung von alt Bundesrätin Metzler

Die hiesigen Topmanager wollen das Engagement für den umtriebigen Schweiz-Angolaner allerdings nicht an die grosse Glocke hängen. Keine Zeile findet sich im CV von Ruth Metzler zum langjährigen Beiratsmandat bei Bastos’ Zuger Finanzgruppe Quantum Global. Auf Anfrage erklärt die alt Bundesrätin schriftlich, bei Quantum im Advisory Board für «regulatorische Fragen und Governance-Themen mit Schweiz-Bezug» zuständig zu sein.

Auch SBB-Frau Monika Ribar weist 2015 ihr VR-Mandat für Capoinvest – Bastos’ Hafengesellschaft auf den Britischen Jungferninseln – ohne den Offshore-Firmensitz aus. «Eine bestimmte Absicht war nicht damit verbunden», sagt ein SBB-Sprecher. Klar ist: Die Marke Angola hat in der Welt einen zweifelhaften Ruf. Und persönliche Bande zur Politelite in der westafrikanischen Republik sind sehr eng, wenn man, wie er, die Ölmilliarden des Fundo Soberano zu investieren hat.

Das Staatsfonds-Mandat lässt die Honorare in Multimillionenhöhe sprudeln. Man arbeite zu «Industriekonditionen», sagt Bastos, der mittlerweile über 600 Angestellte beschäftigt. Sein Company-Geflecht reicht um den Globus: Von den Britischen Jungferninseln über Zug und Zypern bis nach Mauritius und den Seychellen (siehe Link). Bastos’ steuermilde Konstruktionen wurden auch von Appleby aufgesetzt. Die auf Offshore-Firmen spezialisierte Anwaltsfirma hatte ein Datenleak, das eine Gruppe internationaler Investigativjournalisten ausgewertet hat. Erwartet wird ein zweites Panama Paper.

Auf sein weit verzweigtes Firmengeflecht angesprochen, antwortet Bastos: «Ich liebe Komplexität» und rattert wie zum Beweis die Kennzahlen einzelner Beteiligungen herunter. Angereichert mit dem Finanzslang eines Investmentbankers: von Built-Operate-Transfer bis Residualwert.

Ähnlich fluid wie sein sich ständig häutendes Finanz- und Firmenkonglomerat ist auch Bastos’ Gesprächsführung. Ein Gedankenblitz jagt den nächsten. In einem Moment erklärt er der Quantentheorie seine grosse Liebe, um hernach über eine animistische Geisterbeschwörung mit viel Whisky an Cabindas Küste zu schwärmen. Der Austausch gleicht einem intellektuellen Parforceritt: anregend, aber anstrengend.

Zumal die Afrika-Philanthropie nur eine Facette ist. «Im Geschäft bin ich tough», sagt der Sohn einer Schweizer Fabrikantentochter und eines angolanischen Freiheitskämpfers trocken. Wer nicht performt im schwierigen afrikanischen Umfeld, hat keinen Platz in seiner Vision für ein neues Angola. Die Personalfluktuation im Firmenimperium ist hoch, die Zahl seiner Gegner stattlich, sowohl in Angola wie in der Schweiz.

Als «Bottleneck», als Flaschenhals, in dem sich alle Entscheide aufstauten, bezeichnen ihn Ex-Mitarbeiter. Die Rede ist von Misstrauen und Intransparenz in der Firma. Man kommentiere «interne Vorgänge» nicht, sagt Quantum Global, aber ja: «Das Umfeld in Afrika ist herausfordernd und kann nicht mit Bedingungen in Europa verglichen werden.»

Bastos macht klar: Statt aus vollklimatisierten Sitzungszimmern auf Dealjagd zu gehen, müssten seine Private-Equity-Experten und Investmentbanker die sündhaft teuren Business-Hotels der Hauptstadt Luanda verlassen und raus in den Subsahara-Busch. Dort, wo es keine Strassen gibt, die Mücken stechen und Treibstoff ein begehrtes Diebesgut ist. Bastos’ Projekte werden sprichwörtlich auf der grünen Wiese geboren.

Zuger Quantum Global und Angolas Staatsfonds

Stets aufs Neue sind die Ventures des Schweiz-Angolaners ein Drahtseilakt. Zumindest, wenn man westliche Massstäbe anlegt. «In Afrika gilt eine andere Realität», sagt der Hobbymusiker, der in seinen wilden Jugendjahren als Bassist zahlreiche Schweizer Open-Air-Bühnen bespielte.

Auf das heikle Umfeld angesprochen, redet sich Bastos ins Feuer und spricht von einer «angolanischen Norm»: Man dürfe sich der Korruption niemals anpassen, aber einer anderen «Marktrealität» sehr wohl. «Die Volatilität dort ist Wahnsinn.» Projekte, die etablierten westlichen Kapitalgebern schlicht zu heikel oder mühselig wären, zieht Bastos mit lokalem Geschäftssinn durch.

Die Spannbreite seines Portfolios ist riesig: Vom Porto de Caio, dem Tiefseehafen-Projekt in seiner Heimatprovinz Cabinda, über Goldminen bis zu Holzplantagen. Von einer E-Payment-Lösung namens B’weza bis hin zur «Seifenfabrik», einem Kleinstunternehmer-Projekt im grössten Slum der Hauptstadt Luanda. Ex-Mitstreiter monieren: Was bei Bastos «Business» und was «benevol» sei, bleibe unscharf. Auch aus welchen Töpfen die Finanzmittel für die zahlreichen Projekte genau stammten.

Sein schärfster Kritiker in Angola ist der oppositionelle Politaktivist und Journalist Rafael Marques, der von internationalen Medien gerne zitiert wird und Bastos mehrfach in seinem Blog MakaAngola als «Schwindler» bezichtigt hat, der mit seinen Projekten und dem Segen des Dos-Santos-Regimes das Land plündere.

Marques betreibe politische Propaganda ohne jegliche Faktenbasis, entgegnet Bastos und betont: «Ich habe bei jedem Projekt meine Investition gegenüber dem angolanischen Staatsfonds wie auch gegenüber allen anderen Stakeholdern immer offengelegt.» Man schliesse alle Vereinbarungen nach dem «arms length»-Prinzip ab.

Fest steht, die Ventures haben stets seinem persönlichen Credo zu folgen: Wo gibt es Momentum? Bereits als sich der studierte Betriebswissenschafter mit Schweizer KMU-Deals die Sporen abverdiente und als Management-Consultant arbeitete, liess er sich davon leiten. Bastos’ Enthusiasmus hat etwas Einnehmendes. Der Fünfzigjährige – Vater von fünf Kindern aus drei Beziehungen – wirkt zehn, vielleicht 15 Jahre jünger.

Bastos’ gefühltes Alter entspricht dem tatsächlichen seines wohl wichtigsten Weggefährten: José Filomeno dos Santos. Man kennt sich seit Jugendjahren. Schliesslich war Bastos’ Onkel angolanischer Botschafter in London. Und «Zénu» der Sohn des angolanischen Präsidenten. Nach drei Dekaden räumte Vater Dos Santos im Sommer seinen präsidialen Posten. Er hinterlässt Angola als marode Staatswirtschaft, fest in der Macht einer kleinen Polit-Clique. So leben trotz enormem Rohstoffreichtum 70 Prozent der Angolaner unter der Armutsgrenze. Die Lebenserwartung beträgt im Schnitt 52 Jahre.

Gemäss Transparency International gehört Angola zu den korruptesten Ländern der Welt. In diesem Umfeld kürte Vater Dos Santos seinen Filius José Filomeno 2012 zum Präsidenten des neu etablierten Staatsfonds FSDEA. Das «Wall Street Journal» sprach damals von einer «family affair». Der Fonds speist sich aus den Öleinnahmen, ist 5 Milliarden Dollar schwer und verfolgt hehre Ziele: Er soll das Volksvermögen langfristig sichern und mit gezielten Investitionen das westafrikanische Land zum Besseren entwickeln. «Ich war es, der den Businessplan für den FSDEA geschrieben hat», sagt Bastos und wischt im gleichen Atemzug die Vorwürfe der Vetternwirtschaft vom Tisch: «Ich arbeite mit José Filomeno zusammen, nicht weil er der Sohn des Präsidenten war, sondern weil er eine gute Person ist.»

Bastos hat nicht nur den Bauplan für den milliardenschweren Fundo verfasst, dessen bevorzugtes Finanzinstitut für die Cash-Haltung die Zürcher Falcon Private Bank ist. Mit seiner in Zug domizilierten Quantum-Global-Gruppe ist er auch der Investment-Manager des Fundo, dessen Private-Equity-Beteiligungsvehikel das Finanzkonglomerat von der Trauminsel Mauritius aus steuert.

Mehr noch: Ein Jahresabschluss des Fundo zeigt, welch dominante Stellung Bastos beim Staatsfonds innehat. So gab der FSDEA im 2014 rund 121 Millionen Dollar für Beratungsmandate aus, wovon 96 Prozent an Firmen aus dem Bastos-Umfeld gingen. Neben der Quantum-Gruppe flossen auch Fees an den Managementberater Stampa, die HR-Firma Uniqua oder seinen Engineering-Planer Tomé International, in dessen Verwaltungsrat Armin Meier sitzt.


Hafen Porto de Caio für 800 Millionen Dollar

Der ehemalige Kuoni-Chef mit Afrika-Affinität sieht keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass bei Tomé die Regeln eingehalten werden. Und angesprochen auf die Konzentration an Mandaten beim Fundo verweist Bastos auf das fehlende wirtschaftliche Ökosystem im Land. Nicht vergleichbar mit einem Markt in einer westlichen Industrienation. «Das schafft Zusatzkomplexität. Im Vorfeld eines Projekts müssen wir viel Vor- und Aufbauarbeit leisten.»

Solch eine lange Vorgeschichte hat auch das Herzensprojekt von Jean-Claude Bastos, der 630 Meter lange Tiefseehafen (samt Lagern, Freihandelszone, Kraftwerk und Schiffsreparatur) vor der Küste seiner Heimatprovinz Cabinda. Das Gesamtkunstwerk Porto de Caio soll die Frachtkapazität in der Region massiv erhöhen, bei reduzierten Logistikkosten. Die Güterpreise sollen darob um die Hälfte sinken und so gemäss Caio-Angaben bis zu 30 000 neue Jobs indirekt schaffen.

Finanziert wird der Bau durch einen 600-Millionen-Dollar-Kredit der chinesischen Exim-Bank, den Bastos mit seinem exzellenten Sino-Netzwerk eingefädelt hat. 180 Millionen Dollar steckt der angolanische Staatsfonds ins Projekt über seinen Infrastrukturfonds, den ebenfalls die Zuger Quantum-Global-Gruppe managt.

Und Bastos wird es auch sein, der den Hafen mit seiner BVI-Gesellschaft Capoinvest, in der Monika Ribar bis Mitte 2016 im Verwaltungsrat sass, für die nächsten dreissig Jahre per präsidentiellem Dekret betreibt. Bastos’ Ämterkumulation beim Porto de Caio stiess dem Oppositionsjournalisten Marques sauer auf: Vor den Wahlen im Sommer schrieb er über den Porto de Caio als jüngstes Beispiel für die «präsidentielle Kleptokratie».

Für Bastos dagegen ist die exklusive Hafenkonzession der gerechte Lohn für seine persönlichen und finanziellen Risiken. 73 Millionen Dollar an eigenem Geldern habe er bisher in das Hafenprojekt gesteckt: «Als ich vor zehn Jahren raus nach Cabinda fuhr, gab es an der Stelle nichts als Dschungel.» Bastos trommelte hernach aus aller Herren Ländern die Hafenspezialisten herbei. Darunter auch Ex-Panalpina-Chefin Ribar, welche die Verhältnisse in Angola und speziell im Hafen von Luanda sehr gut kennt. Dieser kann Schiffe mit 2000 Containern löschen. 8000 sind es im neuen Porto.

Womit der Hafenbetreiber in spe nicht gerechnet hatte, war der Widerstand aus Angolas etablierter Offshore-Ölclique: Plötzlich wurden 150 Container samt Schiff auf Meeresgrund vor seinem Hafen versenkt. Und plötzlich lagen zwei Pipelines in zehn Metern Wassertiefe, die in der Ursprungssondierung mit Sonar noch nicht existiert hatten. Die Behörden samt Transportminister waren ahnungslos. Schliesslich regelte man die Angelegenheit «the angolan way»; der Schweizer Investor darf seinen Hafen mit dem präsidentiellen Segen bauen. Einfach offshore, zwei Kilometer vom Festland entfernt. Anfang 2019 soll Bastos’ «Bébé» das Licht der Welt erblicken.


JEAN-CLAUDE BASTOS DE MORAIS

Der Fünfzigjährige wuchs in der Schweiz auf, studierte in Freiburg BWL und stieg später ins Consulting ein. Nach dem Krieg baute er in Angola, der Heimat seines Vaters, die erste Investmentbank des Landes auf, die Banco Kwanza Invest – zusammen mit dem damaligen Präsidentensohn. Es folgten Mandate für Zentralbank und Staatsfonds.

MONIKA RIBAR

Die heutige SBB-Präsidentin sass bis Mitte 2016 als Verwaltungsrätin einer Gesellschaft namens Capoinvest auf den Britischen Jungferninseln. Die Firma gehört Jean-Claude Bastos, entwickelt den Tiefseehafen Porto de Caio und soll ihn dereinst betreiben.


RUTH METZLER

Die Ex-Bundesrätin sitzt seit einigen Jahren im Advisory-Beirat der Zuger Finanzgruppe Quantum Global, die zu 95 Prozent Jean-Claude Bastos gehört. Die übrigen 5 Prozent gehören dem Zürcher Wirtschaftsanwalt Thomas Ladner und einer weiteren Person.

ARMIN MEIER

Der Ex-Kuoni-Chef und heutige Boyden-Headhunter fährt gerne privat mit seinem Landcruiser durch Subsahara-Afrika. Nebenher sitzt er als VR in Bastos Family Office Turtle Management und in seiner Engineering-Gesellschaft namens Tomé International.

ANDRÉ SCHNEIDER

Der Ex-WEF-Geschäftsführer und heutige Chef des Flughafens Genf sitzt im Beirat der Zuger Quantum-Gruppe. Daneben ist der ehemalige Berufsmusiker Präsident der Gesellschaft B’weza International, die eine E-Payment-Plattform in Angola aufbaut.

MARCEL ROHNER

Der Ex-UBS-Chef sass u. a.in einer Firma namens Plaza Global Real Estate Partners auf Jersey, einem Joint Venture von Jones Lang LaSalle und Bastos. Mit Kapital der angolanischen Zentralbank kaufte man Prime-Objekte in New York, Paris, London und München.


BASTOS’ PROJEKTE

Infrastruktur

Tiefseehafen Porto de Caio, Cabinda
Megaprojekt Für 800 Millionen Dollar entsteht vor der Küste Cabindas ein Tiefseehafen. Möglich machen die Bastos-Idee ein Kredit aus China und Kapital aus dem Staatsfonds Angolas.

Immobilien

Savile Row, Mayfair, London
Toplagen Mit dem US-Immoriesen Jones Lang LaSalle hat Quantum Global ein Luxusportfolio in New York, London, Paris und München für 650 Millionen Euro gekauft. Kapitalgeber: Angolas Zentralbank.

Landwirtschaft

Estrela da Floresta
Plantage In der Region Benguela, im Südwesten Angolas, soll auf über 30 000 Hektaren ein Forstwirtschaft-Cluster entstehen. Das dort produzierte Papierholz soll in den Export gehen.


Hotellerie

Mövenpick Ambassador Hotel Accra, Ghana
Investments Angolas Staatsfonds verfügt über ein Hotellerie-Vehikel, das gezielt in diesen Sektor investiert. Nebst dem Mövenpick-Hotel in Accra gehört auch das «Intercontinental» in Lusaka zum Portfolio.

Rohstoffe

Goldmine in Angola
Edelmetall Über die zypriotische Novecia Holding ist Bastos im Goldminenprojekt Mpopo in Angolas Provinz Huíla engagiert – zusammen mit den staatlichen Commodity-Firmen Ferrangol und Somepa.