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UBS – Geschäftsmodell im Stresstest

Wealth Management Die UBS ist heute vor allem und in erster Linie eine Vermögensverwalterin. Daran muss sich die grösste Bank der Schweiz messen lassen. Schliesslich stammte in den letzten Jahren mehr als die Hälfte der Vorsteuergewinne aus dem Wealth Management. Der Rest verteilte sich zu etwa gleichen Teilen auf das solide Heimgeschäft und eine Investmentbank, die operativ mal mehr, mal weniger zu überzeugen vermochte, aber immerhin ihren Kapitalhunger drastisch reduziert hat.

Abfluss im vierten Quartal

Im Kerngeschäft dagegen, der Vermögensverwaltung, gibt es Grund zur Besorgnis. Nach Jahren, in denen die UBS wie ein Staubsauger Milliarden an Neugeld einfuhr, ist die Asset-Maschine ins Stocken geraten. Gegenüber den Vorjahren haben sich die Neugelder 2018 praktisch halbiert. Im vierten Quartal resultierte gar ein Abfluss. Mit 1 Prozent liegt das «Net New Money» unter den Zielwerten von 2 bis 4 Prozent bis 2021.

Auch der Bestand, also die verwalteten Vermögen, ist 2018 um 6 Prozent gesunken. Dies ist den schwächelnden Finanzmärkten geschuldet, die rund um den Globus das Anlagejahr mit einem satten Minus beendet haben. Fürs UBS-Geschäftsmodell bedeutet dies in der Paradedisziplin – nach den Jahren der Börsenhausse – einen ersten, grossen Stresstest. Die Wealth-Managment-Chefs, Martin Blessing und Tom Naratil, müssen den Beweis erbringen, dass ihr Business auch in einem Bärenmarkt solide Ergebnisbeiträge liefern kann. Schliesslich war dies ja der strategische Claim von Sergio Ermotti, als er die Investmentbank zurechtstutzte und voll auf die Karte Vermögensverwaltung setzte.

Zweifel an Wetterfestigkeit des UBS Wealth Managements

Die jüngsten Zahlen lassen Zweifel an der Wetterfestigkeit des Wealth Managements aufkommen. Die Bremsspuren an den Börsen schlagen sich in der Erfolgsrechnung nieder: Wenn die Anleger verunsichert sind, vergeht ihnen die Lust am Wertschriftenhandel. Die Einnahmen aus dem Transaktionsgeschäft sanken entsprechend im Vergleich zum Vorjahresquartal um 16 Prozent. Zwar stiegen die Einnahmen aus wiederkehrenden Gebühren um 3 Prozent, weil die UBS mehr Vermögensverwaltungsmandate absetzen konnte. Deren Anteil liegt nun bei etwa einem Drittel, Tendenz steigend. Das ist positiv, weil die Erträge sich darauf weniger erratisch entwickeln als im Transaktionsgeschäft. Aber wenn wegen der schlechten Märkte die Asset-Basis schrumpft, dann leidet auch das Geschäft mit den Gebühren. Schliesslich bemessen sich die Fees am investierten Vermögensvolumen.

Boomjahre gehen zu Ende

In einer Baisse kommen die Einnahmen bei gleich bleibenden Kosten unter Druck. Entsprechend lag das Ertrag-Aufwand-Verhältnis im letzten Jahr bei 78 Prozent. Weit entfernt von jenen 70 Prozent, die die UBS bis 2021 erreichen will. Und dies in einem sich eintrübenden Umfeld und Finanzmärkten, denen nach Boomjahren langsam die Puste ausgeht. Die Investoren scheinen dies bereits einzupreisen. Die UBS-Aktie büsste im Jahresvergleich 30 Prozent ihres Werts ein und schnitt damit fast so schlecht ab wie die Credit Suisse. Es bleibt viel zu tun am Paradeplatz.

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Fin de Tech

UBS Hinter jeder Zahl verbirgt sich eine Geschichte. Dies ist der Slogan, mit dem die Grossbank UBS ihren Robo-Advisor namens Smartwealth im letzten Frühling in Grossbritannien offiziell lanciert. Das Vereinigte Königreich soll Testmarkt sein für eine automatisierte Anlagelösung des weltgrössten Vermögensverwalters.

Keine anderthalb Jahre später schickt die UBS ihren Robo bereits wieder in Rente. Die Eigenentwicklung wird ans amerikanische Fintech Sigfig veräussert, an der die Grossbank eine Minderheit hält. Noch fünf Jahre erhält die UBS Lizenzgebühren auf das geistige Eigentum. Dann gehört der Robo ganz den Amerikanern.

Persönliche Animositäten

Offiziell begründet die Bank das Ende von Smartwealth mit dem «limitierten Kurzfrist-Potenzial» der automatisierten Anlagelösung. Ohne allerdings auf Fragen nach der Anzahl Kunden oder der Höhe der verwalteten Vermögen einzugehen.

Doch hinter jeder Zahl verbirgt sich bekanntlich eine Geschichte. So auch beim Robo-Versuch der UBS. Es ist dies eine Geschichte von kulturellen Unvereinbarkeiten, persönlichen Animositäten, Konzerndenke und knallhartem Kostenmanagement.

Die Geschichte von Smartwealth beginnt vor etwa vier Jahren, als sich junge Wilde in einer Mansarde am Zürcher Löwenplatz einquartieren. Die Tech-Truppe aus Jeans- und Turnschuhträgern schickt sich an, das Banking der Zukunft zu erfinden. Finanziert wird das Innovation Lab von der Vermögensverwaltung der UBS. Leiter ist Dave Bruno, der heute für den Börsenbetreiber SIX als Company Builder arbeitet. Das Lab steht unter dem Patronat des damaligen Wealth-Management-Chefs Jürg Zeltner. Dessen operativer Leiter, ein Ex-Manager von Blackrock, propagiert vollmundig die «Demokratisierung der Vermögensverwaltung». Dank smarter Technologie soll die UBS nicht nur Schwerreiche umfassend bedienen, sondern auch Wohlhabende mit 15 000 bis etwa 2 Millionen Pfund Vermögen effizient erreichen. Ein Kundensegment, das die Bank mit Ausnahme des Schweizer Heimmarktes bislang kaum adressiert. «Mass affluent» lautet das Zauberwort der Stunde.

Entsprechende Ideen soll der «interne Beschleuniger» am Löwenplatz liefern. Und so macht sich eine junge Truppe ans Fintech-Werk. Es sind Leute wie Konstantin Speidel, der heute die digitale Transformation der Allianz Versicherung in München treibt. Im Lab entstehen zahlreiche Business-Ideen und Geschäftsmodelle wie etwa Ynome. Eine Art «Trip Advisor für Vermögensverwalter», den die UBS bald schon wieder einstampft. Oder eben der hauseigene Robo-Advisor namens Smartwealth.

Revolut als Blaupause

Allerdings hat jene Idee, die am Löwenplatz geboren wird, mit dem späteren Smartwealth-Offering in Grossbritannien nurmehr wenig zu tun, wie Insider berichten. Die ursprüngliche Losung aus dem Lab lautet nämlich, Smartwealth möglichst simpel und effizient zu gestalten. Im Sinne eines hohen Automatisierungsgrads («no human factor»), damit die Grundgebühr tief und kompetitiv gehalten werden kann. Als Vorbild dienen erfolgreiche Digitalbanken wie Revolut, deren Basisangebot kostenlos ist. Wer etwas mehr will, zahlt dann aber extra.

Doch das «WM Lab» dient in der UBS eben nur als bunte Ideenschmiede. Ein einsames Biotop von Freigeistern innerhalb der Silos einer Grossbank. Schliesslich geht das Smartwealth-Projekt vom Lab in die Business-Linie des Finanzkonzerns über. Am Drücker sind nun arrivierte Institutsdirektoren, welche dem schlank gedachten Robo-Advisor die geballte Investment-Kompetenz der UBS aufbürden. Schliesslich ist man intern stolz auf die eigene Hausmeinung und pflegt den Advice aktiv auf allen Kanälen zu verbreiten. Diese Antithese zur automatisierten Portfolio-Anlage auf passive Art findet auch im konzerneigenen Robo-Advisor ihren Niederschlag.

Als Smartwealth ab Ende Februar 2017 offiziell Publikumsgelder annimmt, stehen nicht weniger als zehn Strategien auf Basis von fünf Risikoprofilen zur Auswahl. Diese Robo-Strategien umfassen auch Fonds, die von Portfoliomanagern aus Fleisch und Blut aktiv verwaltet werden. Entsprechend hoch sind die Verwaltungsgebühren von etwa 1 bis 2 Prozent, je nach Grad des «human touch». Zum Vergleich: Bei Nutmeg, dem grössten Robo-Advisor auf der Insel mit rund 1 Milliarde Pfund an verwalteten Vermögen, liegt die Basisgebühr bei 0,75 Prozent.

Am Ende war es ein Luxus-Robo

Aus Smartwealth ist also ein Luxus-Robo geworden, der mit einem siebzigköpfigen Team im garstigen Grossbritannien fortan um jeden Kunden kämpfen muss. Denn auf der Insel ist der Markt für automatisierte Anlagelösungen bereits hart umkämpft. Es herrscht volle Kostentransparenz. Und was für die tech- und finanzaffine Kundschaft vor allem zählt, sind möglichst tiefe Anlagegebühren. Nuancen im Angebot haben es da schwer.

Zwar attestieren alle Befragten dem UBS-eigenen Robo-Advisor eine hohe technische Ausgereiftheit: Sowohl das digitale Onboarding als auch die Usability seien vorbildlich. Doch die Preisprämie lässt sich nur mit hohen Marketingaufwänden durchsetzen. Die Rede ist von mehreren hundert Pfund an Akquisekosten pro Kunde. Kosten, die wohl erst mittelbis längerfristig wieder eingespielt worden wären – wenn überhaupt.

Zum Verhängnis sind dem Robo aber nicht schlechte Zahlen geworden: «Es war nie vorgesehen, dass Smartwealth nach eineinhalb Jahren profitabel arbeitet», sagt ein Insider. Vielmehr sei der Robo-Advisor ein Strukturopfer: Mit dem Abgang von Vermögenschef Zeltner und der Verschmelzung von Americas und International zu Global WM Anfang Jahr dreht die neue Führung um Martin Blessing und Tom Naratil an der Kostenschraube. Gefordert werden Synergieeffekte, auch wenn sich das Geschäft in den USA und dem Rest der Welt fundamental unterscheidet. Smartwealth erscheint vor diesem Hintergrund als «low-hanging fruit». Zumal das schützende Commitment der neuen Vermögenskapitäne in den reinen Robo des Vorgängers fehlt.

«Ich glaube nicht, dass es so weit kommt, dass in zehn Jahren jeder alleine vor seinem Robo-Advisor sitzt und nur noch mit dem Computer interagiert», sagte Martin Blessing im letzten Winter zur «Handelszeitung» und fügte an: «Der Computer unterstützt, er hilft dem Berater, aber die menschliche Interaktion wird immer noch stattfinden.» Kurz danach beerbt Blessing Zeltner als Chef des Wealth Management der UBS.