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Mit harten Bandagen

Marc-Christian Riebe Der Konkurs seiner Location Group wirft Fragen auf. Nun nimmt der Immo-Vermittler erstmals Stellung.

Am 2. März ist das Schicksal der Zürcher Ladenflächen-Vermittlerin besiegelt. Das Bezirksgericht eröffnet über die Location Group des Immo-Brokers Marc-Christian Riebe den Konkurs. Riebe sagt: Sicher hätte ich einiges anders machen können, aber ich habe bis zuletzt alles getan, um die Location Group AG zu retten.

Beantragt hat den Konkurs die Immofinanz mit Sitz in Vaduz. Deren Rechtsvertreter, Matthias-John Gstöhl von der Kanzlei Nater Dallafior, will sich zum Fall nicht äussern. Die Immofinanz hat vor drei Jahren der Location Group mittels Bürgschaft Dritter ein Darlehen in der Höhe von 1 Million Franken gewährt – zu einem horrenden Zinssatz von 15 Prozent.

Mehrere Insider erzählen, dass sich die Location Group, die zu Spitzenzeiten rund 20 Mitarbeiter zählte, schon damals in finanzieller Schieflage befand. Seit 2013 habe sich der Engpass abgezeichnet. Löhne seien ab dann verspätet ausbezahlt worden. Trotz sehr guter Umsätze habe Location es versäumt, finanzielle Polster für magere Zeiten anzulegen.

Gründer Riebe hält dagegen, dass er bis Sommer 2015 sämtliche Saläre fristgerecht ausbezahlt habe und fügt an: Insgesamt habe ich zuletzt 1,5 Millionen Franken privat in die Firma gesteckt und mir über ein dreiviertel Jahr lang keinen Lohn ausbezahlt. Die Mitarbeiter hätten mehrheitlich im zweiten Halbjahr 2015 gekündigt. Alle sechs Mitarbeiter würden ihren gesamten Lohn noch erhalten, da ich 50 000 Franken nachschiessen werde, verspricht er.

Retailer in Schockstarre

Der Gründer einer führenden internationalen Retail Real Estate Boutique Agency (Eigenbeschrieb) macht für den Location-Konkurs das garstige wirtschaftliche Umfeld geltend. Nach der Aufhebung der Franken-Untergrenze im Januar 2015 seien viele Retailer in Schockstarre verfallen und hätten fast alle Expansionspläne eingefroren, so Riebe: Im ganzen letzten Halbjahr 2015 haben wir keinen einzigen Abschluss gemacht, sodass sich der Umsatz gegenüber 2014 fast halbiert hat.

Allerdings datiert nicht nur die Millionenhilfe der Liechtensteiner Immofinanz aus dem Jahre 2013. Auch der Darlehensvertrag mit der Boutiquen-Impresaria Trudie Götz, den die Handelszeitung einsehen konnte, wurde bereits im Herbst 2014 – auf Drängen Riebes hin – vereinbart.

So gewährte Götz‘ Luxusladenkette Trois Pommes der Location Group einen zinslosen Kredit über 250 000 Franken. Rückzahlbar bis Ende 2014. Doch Riebe zahlte den Betrag nicht fristgemäss zurück, sondern vertröstete Gläubigerin Götz mehrfach. Im letzten Sommer schliesslich schaltete die Grande Dame der Mode ihren Anwalt ein. Trois Pommes verrechnete schliesslich das Darlehen mit einer ausstehenden agency fee gegenüber Riebe.

Seither betreibt die Modekette die Location Group auf 100 000 Franken, wie Götz kürzlich im Blick kundtat. «Was Trudie Götz in der Zeitung erzählt hat, stimmt einfach nicht», sagt Riebe. «Dass ich Trudie Götz ein Darlehen in der Höhe von 100 000 Franken schulde ist falsch, denn wir hatten eine Vereinbarung, wonach der Betrag mit einer Forderung gegen sie aus einem Deal an der Storchengasse bereits verrechnet wurde.»

Nicht nur beim zinslosen Darlehen sieht sich Riebe im Recht. Auch im Falle der Ausstände in Höhe von 150 000 Franken gegenüber der Tennisveranstaltung Swiss Open. Location Group war nämlich Turniersponsor im Berner Oberland und als solcher mit dem Dargebotenen nicht zufrieden, wie Riebe sagt: Jean-François Collet vom Swiss Open Gstaad liess uns nicht aus dem dreijährigen Vertrag ziehen, obwohl Roger Federer und Stan Wawrinka nicht – wie vereinbart – regelmässig be ziehungsweise gar nicht beim Turnier spielten. Co-Sponsor Crédit Agricole und andere seien dagegen vorzeitig aus dem Vertrag entlassen worden. Mitunter ein Grund, weshalb Stan nicht angetreten sei, war gemäss Riebe, dass der Tennisstar sein Antrittsgeld nicht erhalten habe.

Leistungen kürzen

Vor Gericht ist Riebe allerdings durch alle Instanzen abgeblitzt. So wandte die Location Group vor Zürcher Bezirksgericht im Sommer 2015 ein, sie sei berechtigt, den geschuldeten Sponsoringbetrag zu reduzieren, weil Stan Wawrinka der Veranstaltung ferngeblieben sei und dessen Fernbleiben zu einem Popularitätsverlust geführt habe. Das Gericht wies die Argumentation zurück, weil der Sponsoringvertrag keine Regelung vorsehe, welche zu einer Kürzung der vereinbarten Leistung berechtige. Das Urteil ist rechtskräftig.

Swiss-Open-Anwalt Marc Häsler prüft zudem eine Strafklage wegen unlauteren Wettbewerbs. Denn: Kurz vor dem Konkurs der Location Group liess Riebe die Gesellschaft in Retail Hunting umbenennen. Praktisch zeitgleich firmierte er seine Location Luxury in The Location Group Ltd um. Das sei klar irreführend, sagt Häsler, und verschleiere den Konkurs.

Für Riebe ist dies dagegen gängige Praxis: Aus Bernie’s wurde New Bernie’s, aus Companys Schweiz die Companys Retail und aus der Wegelin Bank die Notenstein Bank.

Überhaupt blickt der Immobilienvermittler lieber in die Zukunft: Er schaue nach vorne, um im Jahr 2022 gewappnet zu sein. Jetzt, wo viele Häuser leer stehen und Flächen frei sind, werden wir das Geschäft wieder ankurbeln und vermehrt Liegenschaften profitabel für die Eigentümer verkaufen.