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Handelszeitung Meinung

Feuerwall gegen zwei Bankriesen

Too big too fail Die Jobdefinition ist in der Verfassung verankert. Der Bundesrat hat die Landesinteressen zu wahren. Dazu gehört es, die Rahmenbedingungen für ein stabiles Finanzsystem zu setzen. Denn wenn Kredite kollabieren, Zahlungen versiegen oder unterkapitalisierte Institute ins Wanken geraten, leidet nicht nur der Finanz-, sondern automatisch auch der Werkplatz Schweiz.

Dass auf eine systemische Bankenkrise eine schwere Wirtschaftskrise folgt, gilt zwar auch für andere Industrienationen. Aber die Schweiz ist ein Sonderfall (geblieben). So hängt die Finanzstabilität der hiesigen Volkswirtschaft auf Gedeih und Verderb an den beiden Grossbanken UBS und CS, obwohl die direkte Beschäftigungsquote des gesamten Banksektors bescheidene 3 Prozent beträgt.

Zugkräftiges Zweigespann bringt Kollateralschäden mit sich

Die Zahlen zur Dominanz von UBS und CS sprechen Bände. Die Hälfte der Schweizer Gesamtbankenbilanz entfällt auf die zwei Grossen. Rund ein Drittel des inländischen Kreditmarkts und ein Viertel der Vermögensverwaltung werden vom zugkräftigen Zweigespann beherrscht. Dabei entsprechen die Aktiven von UBS und CS in der Summe fast dem Dreifachen des jährlichen Bruttoinlandprodukts der Schweiz. Zum Vergleich: In den USA mit ihren Wall-Street-Riesen liegt dieser Wert im tiefen einstelligen Prozentbereich des BIP.

Nun kann man stolz sein, dass ein Kleinstaat wie die Schweiz über die Jahrhunderte zwei dermassen potente Insititute hervorgebracht hat. Doch für die im Verhältnis fast zwergenhaft wirkende Volkswirtschaft bedeuten die beiden Bankenriesen gewaltige Risiken. So ist auch acht Jahre nach der Finanzkrise, in deren Strudel die UBS geriet und vom Staat gerettet werden musste, die too big too fail-Problematik nicht abschliessend gelöst. Ein Grossbankenkollaps hätte weiterhin fatale Folgen für die Volkswirtschaft. Erneut müsste der Staat und damit der Steuerzahler als Kreditgeber der letzten Zuflucht auftreten. Gerade für die Schweiz ist dies ein unhaltbarer Zustand. Denn je gewichtiger der Finanzsektor für ein Land ist, desto höher fallen die Kosten einer Bankenkrise aus. Doch auch im gegenwärtigen Courant normal wirken die Gravitationskräfte der beiden Bankenriesen auf den hiesigen Finanzplatz. Gemäss einer OECD-Studie dürfte der Wert der impliziten Staatsgarantie für UBS und CS jährlich bis zu 6,5 Milliarden Franken betragen. Too big too fail verzerrt also auch den Wettbewerb auf dem Finanzplatz.

Verschärfte Kapitalvorschriften schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe

Insofern sind die höheren Eigenkapital-Anforderungen, welche der Bundesrat bald auf dem Verordnungswege erlassen möchte, zu begrüssen. Schlagen sie doch zwei Fliegen mit einer Klappe. Müssen UBS und CS ihre Positionen mit mehr Eigenkapital unterlegen, sinkt das Risiko, dass der Steuerzahler im Krisenfall einspringen muss. Gleichzeitig sinkt der Wert der impliziten Staatsgarantie für die Grossbanken, wodurch der Wettbewerb auf dem Finanzplatz gestärkt wird