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Super League – Fussball ist eben nicht Soccer

Super League Sie ist die grösste Bank der Vereinigten Staaten, JP Morgan. Und ihr Führungspersonal um die Wall-Street-Legende James «Jamie» Dimon offenbarte unlängst, wie wenig sie Europa verstehen. In einem Anflug von amerikanischem Kulturimperialismus hat der New Yorker Finanzkoloss mit seinen Plänen für eine abgehobene «Super League» den grössten Shitstorm in der jüngeren Geschichte des europäischen Vereinsfussballs entfacht.

Dieser Empörungssturm entlud sich zwar zu Recht an den «Super League»-Clubs selbst, von Manchester City über Juventus Turin bis zum FC Barcelona. Doch für die haarsträubende Idee eines stehenden Elite-Wettbewerbs, jenseits aller Ligastrukturen, sollten die hoch bezahlten Investment-Banker von JP Morgen eigentlich geteert und gefedert werden.

Europas Fussball ist mehr als ein Zeitvertreib für reiche Clubeigner wie die Super League

Denn Europas Fussball ist eben nicht Soccer. Und auch nicht Baseball, American Football oder Basketball. Die FC auf dem alten Kontinent führen gerade keinen Profiliga-Klimbim auf, bei dem die Fans in heruntergekühlten Sponsor-Arenen blosse Claqueure für die Pay-TV-Kundschaft an den Bildschirmen zu Hause sind. Europas Fussball ist auch kein x-beliebiger Entertainment-Zirkus, dessen Spielregeln sich nach den Bedürfnissen der Werbebetreibenden zu verbiegen haben. Und es ist auch kein blosser Zeitvertreib für schwerreiche Clubbesitzer, die mit ihren NBA- oder NFL-Franchisen jonglieren, als seien sie Daytrader an der Börse.

Vereine sind, von ihrer Definition, nichtkommerzielle Organisationen

Das Gegenteil ist der Fall. Europas Fussball hat gewachsene Strukturen, von denen die JP-Morgan-Banker wahrscheinlich noch nie etwas gehört haben. Europas Fussball ist tief verwurzelt in den gemeinnützigen Ballsport-Vereinen, die im ausgehenden 19. Jahrhundert auf dem Kontinent in mannigfaltiger Form entstanden sind. Vereine sind, von ihrer Definition her, nichtkommerzielle Organisationen.

Es sind Zusammenschlüsse Gleichgesinnter, die gemeinschaftlich demselben Zweck frönen. Eingebettet sind sie zumeist in Verbandsligen, die ganz Europa vom Amateur-Gebolze bis zum filigranen Profitum durchdringen. «For the love of the game», wie es so schön heisst. Insofern haben die «football clubs» europäischer Ausprägung eben auch soziale und gesellschaftliche Verpflichtungen wie die Nachwuchsförderung oder die Pflege der Fankultur, jenseits aller monetären Inzentivierung.

Die Super League – ein Kommerzprodukt, für Asiens Fanmassen konfektioniert

Und damit sind sie so ziemlich genau das Gegenteil dessen, was JP Morgan mit ihren «Super League»-Plänen bezweckte. Nämlich einen europäischen Klon einer US-Profiliga zu schaffen. Ein Kommerzprodukt, prima verwertbar für die Massen asiatischer und amerikanischer Soccerfans, welche Ronaldo oder Messi nur von der Mattscheibe her kennen. Ein solches Produkt mag – auf dem Papier – den JP-Morgan-Bankern einen attraktiven Return auf ihrer 4-Milliarden-Euro-Upfront-Zahlung bescheren. Wie der Aufruhr gezeigt hat, hält die Super-League-Idee dem Realitätstest jedoch nicht stand.

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Centricus – Burgeners Masterplan

Fussball Der Anlagefonds Centricus greift nach der Champions League. Mittendrin ist Bernhard Burgener, Uefa-Vermarkter und FC-Basel-Eigner.

Die Meldung hat Sprengkraft. Ein Dutzend europäische Spitzenvereine will eine eigene «Super League» formieren. Die Sezession der Fussballriesen stellt den Fortbestand der milliardenschweren Champions League infrage. Die Uefa hat deshalb reagiert. Der Europaverband will mit dem britischen Anlagefonds Centricus ein 6-Milliarden-Euro-Paket schnüren, um seinen Meistercup aufzupolieren und der drohenden Super League ein Bein zu stellen.

Centricus? Dieser Name bewegt derzeit nicht nur das globale Fussballbusiness. Der 30-Milliarden-Anlagefonds aus London erhitzt seit Monaten auch die Gemüter in der Nordwestschweiz – will Centricus sich doch erklärtermassen am FC Basel beteiligen, wie die «Handelszeitung» im letzten Sommer enthüllte. Nun zeigen Recherchen immer deutlicher: Die beiden Ereignisse, also Centricus’ Griff nach der Champions League (CL) und jener nach dem Basler Traditionsverein, hängen zusammen. Dabei ist Centricus wohl nicht in erster Linie am mässig erfolgreichen FC Basel interessiert, sondern vor allem an Bernhard Burgeners Sportrechtegeschäft.

Akut gefährdet

Zum Reich des Baselbieter Medienunternehmers gehört neben dem FCB auch eine Firma namens Team Marketing. Die Tochterfirma aus Burgeners Highlight-Gruppe (siehe Grafik) vermarktet für die Uefa seit Jahren erfolgreich die CL. Allerdings ist Burgeners lukrativer Deal jeweils nur befristet gültig. Derzeit würden die Verhandlungen für die Periode ab 2024 laufen, wie ein Insider sagt. «Im August müsste der neue Vertrag unter Dach und Fach sein.» Mehr als einmal wurde Bernhard Burgener deswegen zuletzt in Nyon gesichtet, wo die Uefa zu Hause ist. Eine Konkurrenzveranstaltung zur CL, wie es die Super League wäre, kommt da zur Unzeit für Uefa-Auftragnehmer Burgener.

«Die zwölf abtrünnigen Spitzenclubs sind die halbe Miete für die Champions-League-Franchise», sagt ein Marketingmann. Burgeners Erlöse aus dem CL-Marketing im zweistelligen Millionenbereich wären so also akut gefährdet. Angesichts dieser Gemengelage spricht vieles dafür, dass Centricus’ Beteiligungsnahme am FCB eben nur ein Neben-Deal in einem grossen Masterplan zwischen Bernhard Burgener und dem britischen Milliarden-Fonds ist. «Wir wollen in dieser Region weiter investieren», erklärte Centricus-Gründer Dalinc Ariburnu kürzlich vielsagend in der «Schweiz am Wochenende». Dazu könnte auch Burgeners Highlight-Gruppe mit Sitz in Pratteln BL gehören.

Centricus und Burgener – Alte Bekannte

Das ungleiche geschäftliche Tandem – Burgener und Centricus – mag Aussenstehende verblüffen. Angebahnt hat es sich jedoch schon vor Jahren: Spätestens seit 2018 kennt und schätzt man sich. Damals wollte Centricus für den Weltfussballverband Fifa die «Nations League» finanzieren. Eine Art Konkurrenzveranstaltung zur CL, aber auf globaler Ebene. Beim 25-Milliarden-Projekt soll sich gemäss mehrerer Insider Burgeners Firma Team für die Vermarktung der Fussballrechte interessiert haben, was einem Verrat an der Uefa gleichgekommen wäre.

Die Nations-League-Avancen sind nur ein Beispiel dafür, wie Burgener seit längerem mehr aus dem Sportrechtegeschäft zu machen versucht. 2017 scheiterte sein Plan, dem Ringier-Verlag, der auch an der «Handelszeitung» beteiligt ist, den «Blick» abzukaufen. Die Offerte sah eine Sportvermarktungsplattform vor – und das, noch bevor Burgener beim FCB eingestiegen war. Die beteiligten Akteure sind alte Bekannte: Das Organigramm nennt nicht nur Centricus-Vermittler Walter de Gregorio, sondern auch PR-Berater Aloys Hirzel. Beide sind bis heute in Burgeners aktuelle Beteiligungspläne involviert.

Russischer Investor Migushov

Neuer Dreh- und Angelpunkt ist die geheimnisvolle Briefkastenfirma Basel Dream & Vision AG, mit deren Hilfe Centricus beim FC Basel einsteigen soll. Sie wurde nur wenige Tage nach einer Kapitalerhöhung in Burgeners Highlight-Gruppe gegründet. Am 10. Dezember 2020 beschaffte sich die Highlight Event and Entertainment AG über den russischen Investor Igor Migushov frisches Kapital und zahlte damit teilweise Burgener aus. Dieser reduzierte seine Beteiligung und löste damit wohl etwa 3 Millionen Franken. Am 11. Dezember wurde das Kapital der Basler Briefkastenfirma erhöht und die heutige Aktionärsstruktur geschaffen, wobei inzwischen zwei Statthalter von Burgener beziehungsweise von Centricus den Verwaltungsrat stellen.

Das Engagement des britischen Anlagefonds könnte dabei über Burgeners Event- und Sportimperium hinausreichen: Gemäss zweier Quellen soll Centricus demnach auch im Gespräch sein mit James Murdoch, Sohn des australischen Medienmoguls und Ankeraktionär der Basler Messebetreiberin MCH Group. Pikanterweise ist die MCH Group ebenfalls mit wenigen Prozenten an Burgeners FC Basel Holding beteiligt. James Murdoch ist auch der frühere Chef des TV-Senders «Sky», der wiederum Partner von Burgeners Highlight-Gruppe ist. So werden offenbar viele Constantin-Filme über die deutschen Sky-Sender abgesetzt, wie aus den Highlight-Geschäftsberichten hervorgeht. Dass sich MCH zuletzt vom Messegeschäft weg- und zu neuen «Live-Entertainment»-Veranstaltungsformen hinbewegt hat, brachte diese nicht zuletzt näher zu Firmen wie Highlight, die auch hinter Events wie dem «European Song Contest» steht.

Langjähriger Partner mit Centricus

Für Burgener steht viel auf dem Spiel: Der Worst Case wäre wohl das Zustandekommen der neuen Super League. Die Umsätze der CL würden ohne Spitzenvereine einbrechen – und damit auch die Provisionen für Burgeners Team Holding. Dabei dürfte die neue Liga kaum auf den langjährigen Partner der verfeindeten Uefa setzen. Gleichzeitig könnte der Super-League-Angriff aber auch dazu führen, dass sich die Fronten schliessen – und die Chancen fürs milliardenschwere Centricus-Uefa-Projekt mitsamt Burgener steigern. Dass dieser in diesen Zeiten alles tut, um Bewegungen beim FC Basel zu vermeiden und Centricus aus den Schlagzeilen zu halten, ist daher wenig erstaunlich. So reagierte er nur mit «No comments» auf die Fragen der «Handelszeitung».

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Bundesanwalt Laubers Sololauf

Michael Lauber Der Bundesanwalt trifft sich informell mit Parteivertretern. Die Praxis ist umstritten. Doch die Aufsicht muss Lauber nicht fürchten.

Die Chronologie der Ereignisse wirft Fragen auf: Ende Februar 2016 wird Gianni Infantino zum neuen Fifa-Präsidenten gewählt. Keinen Monat später, am 22. März, treffen sich Bundesanwalt Michael Lauber und Infantino zum Gespräch im Berner Luxushotel Schweizerhof, wie «Das Magazin» aufdeckte. Das einstündige Treffen wird weder protokolliert, noch sitzen jene Strafverfolger mit am Tisch, die eigentlich die Fussballverfahren bei der Bundesanwaltschaft (BA) fachlich führen.

Nur wenige Tage nach dem Austausch in Bern schlagen die Strafermittler des Bundes in der Waadt zu. Hintergrund ist ein Verfahren gegen unbekannte Täterschaft, bei dem es um Fernsehübertragungsrechte geht und das inzwischen eingestellt wurde. Die BA durchsucht dazu am 6. April 2016 in Nyon den Sitz des europäischen Fussballverbands Uefa. Als Generalsekretär amtete bis zu seiner Fifa-Wahl Gianni Infantino. Und es war auch Infantino, der über Dritte um das vertrauliche Gespräch mit Lauber nachgesucht hatte.

Strafrechtler mit Stirnrunzeln

Dass der Bundesanwalt den Fussballfunktionär mitten in einer heissen Ermittlungsphase ohne Protokoll und Rechtsbeistand zum informellen Austausch im Luxushotel trifft, sorgt unter Strafrechtlern für Stirnrunzeln. «Es darf bei laufenden Verfahren keine informellen, nicht dokumentierten Treffen geben – niemals», sagt Monika Roth, Professorin an der Hochschule Luzern: Lauber beschädige den Ruf der Bundesanwaltschaft und schade der Glaubwürdigkeit der Justiz.

Solche Treffen seien nicht per se abzulehnen, meint dagegen ein Strafermittler, der langjährige Erfahrung in komplexen Wirtschaftsfällen hat und anonym bleiben will. Gerade im Hinblick auf einen möglichen Strafbefehl sei es sinnvoll, dass man mit Parteivertretern das informelle Gespräch suche. «Was mich jedoch befremdet, ist, dass Lauber den Verfahrensleiter nicht dabeihatte, beziehungsweise dass das Treffen nicht protokolliert wurde.» Solche Sololäufe des Chefs sorgten innerhalb der Strafverfolgungsbehörde immer wieder für «böses Blut».

Allgemeine Einordnung

Der Bundesanwalt sei aufgrund seiner Managementaufgabe mit den materiellen Sachverhalten meist wenig vertraut, sodass nur mehr eine «Metadiskussion» mit den Parteivertretern möglich sei. Darauf deutet auch das Statement der Bundesanwaltschaft, wonach das informelle Treffen mit Infantino «der allgemeinen Einordnung des Untersuchungskomplexes zum Fussball» und «der Klärung der Stellung der Fifa sowohl als Anzeigeerstatterin wie auch als geschädigte Partei» diente.

Dann stellt sich allerdings die Frage, warum Lauber keine Aktennotiz hat anfertigen lassen zuhanden seines Fifa-Verfahrensführers. Denn, sagt ein anderer Strafrechtler, der mit dem Sachverhalt vertraut ist: «Sollte im Zuge der laufenden Fifa-Ermittlungen auch nur der geringste Verdacht aufkommen, dass Präsident Infantino zur Auskunftsperson oder gar zum Beschuldigten werden könnte, hat Lauber ein Problem.» Der Bundesanwalt könnte in diesem Fall ohne Aktennotiz zum Gespräch im Berner Hotel das eigene Fifa-Verfahren gefährden. Das Damoklesschwert nennt sich im Juristen-Deutsch Verfahrensfehler. Ein probates Mittel der Verteidigung, um Ermittlungsergebnisse im Nachhinein zu kompromittieren.

Bestandteil der Amtsführung

Aufgeschreckt durch die Enthüllungen der «Football Leaks» hat der Bundesanwalt inzwischen den kommunikativen Konter gestartet. Solche Treffen seien «ein ganz grundsätzlicher Bestandteil, wie ich es verstehe, meine Amtsführung zu machen», liess Lauber die Medien Ende November wissen. Mehr noch: Auch bei anderen komplexen Grossverfahren wie Petrobras/Odebrecht oder 1MDB habe er solche Treffen gehabt. Über Details schweigt sich die BA aus. Offenbar soll der Strafbefehl von Ende 2016 im Petrobras-Korruptionsfall samt 200-Millionen-Franken-Zahlung auf diese Weise ausgehandelt worden sein. «Wer in welcher Konstellation welche Treffen durchführt, wird als Policy in einem stetigen und interaktiven Prozess in der BA laufend überprüft», schreibt Laubers Pressestelle.

Vor der öffentlichen Rechtfertigung hatte der Bundesanwalt noch bei der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) sowie einer Subkommission der nationalrätlichen Geschäftsprüfungskommission seine Sicht der Dinge referiert. Ausgestanden sind die Hotelgespräche für den ehemaligen Bankenaufseher und früheren Finanzplatz-Lobbyisten Lauber damit allerdings nicht. «Zurzeit laufen aufsichtsrechtliche Abklärungen der AB-BA in Zusammenhang mit den beiden Treffen zwischen dem Bundesanwalt und Herrn Infantino», sagt ein Sprecher. Was dabei herauskommt, wird die AB-BA erst in ihrem jährlichen Tätigkeitsbericht publik machen. Der erscheine «üblicherweise im März».

Keine Durchschlagskraft

Doch klar ist: Schlaflose Nächte dürfte Lauber ob dem Verdikt nicht haben. Die AB-BA wird den Bundesanwalt und seine Strafverfolger wohl anweisen, künftig sämtliche Kontakte mit Parteivertretern zu den Akten geben zu müssen. Mehr Unbill ist nicht zu erwarten. Denn die AB-BA hat schlicht keine Durchschlagskraft. «Die Weisungsgewalt ist äusserst beschränkt», sagt ein Kenner der Materie und fügt an: «Die Politik wollte das so.»

Das siebenköpfige Fachgremium, das jeweils für vier Jahre vom Parlament gewählt wird, gibt es erst seit 2011. Die AB-BA ist ein Produkt der Reorganisation der Bundesanwaltschaft, bei der man die Strafverfolger aus dem Eidgenössischen Justizdepartement herausgelöst hat, um sie so dem Zugriff der exekutiven Politik auf Verfahrensebene zu entziehen. Was löblich sein mag, zeitigt allerdings Nebenwirkungen.

Keine Hierarchie der Aufsicht

Die Aufsicht über Lauber und Co. kann nämlich bloss «generelle Weisungen über die Wahrnehmung ihrer Aufgaben erlassen», wie AB-BA-Präsident Niklaus Oberholzer in einer Fachschrift schreibt. Es bleibe damit ein «sehr beschränkter Bereich» übrig. Zudem führen Bundesrichter Oberholzer und seine Kollegen die Aufsichtstätigkeit auf Taggeld-Basis im Nebenamt aus. Die Ressourcen sind entsprechend knapp: Ausser für Summarisches und vereinzelte Stichproben vor Ort reicht die Zeit nicht.

Bundesanwalt Lauber ist in diesem Setup eindeutig der starke Mann. «Die AB-BA mischt sich nicht in laufende Verfahren ein», hält er in derselben Schrift fest. Die Hackordnung ist klar: Die ABBA hat gegenüber der Bundesanwaltschaft keine hierarchisch vorgesetzte Stellung. «Die alleinige und umfassende Verantwortung für eine gut funktionierende Bundesanwaltschaft trägt der Bundesanwalt», hält Lauber fest.

Vom Staat gut leben

Nebst beschränkter Weisungsgewalt und knappen Ressourcen krankt die AB-BA am engen Personalkorsett. So schreibt das Gesetz vor, dass die AB-BA «aus je einem Richter des Bundesgerichts und des Bundesstrafgerichts, aus zwei Anwälten sowie aus drei Fachpersonen» bestehen soll. Dieses «starre System» lasse keinerlei «Flexibilität» zu, klagt Präsident Oberholzer.

Die Konstellation führt überdies dazu, dass sich die AB-BA-Mitglieder vornehmlich aus dem «Justizkuchen der Schweiz» rekrutieren, wie ein Insider polemisch anmerkt: Sie würden mit und von staatlichen Institutionen leben. Ein Beispiel ist Hanspeter Uster. Der «Projektleiter im Justiz- und Polizeibereich» war 2006 «Vorsitzender des Projektausschusses für die Situationsanalyse der Strafverfolgung auf Bundesebene» für das Justizdepartement. Mit anderen Worten: Der heutige Aufseher Uster ist einer der geistigen Väter des Status quo.

Wiederwahl im nächsten Jahr

Das Machtgefälle zwischen Aufsicht und BA ist also eindeutig. Bedrohlich können der «Magistratsperson» Lauber eigentlich nur die Bundesparlamentarier werden. Deshalb pflegt Lauber sein öffentliches Image wie kein Bundesanwalt vor ihm. Schliesslich steht im nächsten Jahr seine Wiederwahl an. Der Fifa-Fall kommt da denkbar ungelegen.

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Heikles Dribbling

Bernhard Burgener Der Unternehmer will den FC Basel kaufen. Doch seine Sponsoring-Geschäfte mit der Uefa könnten den Vereinsdeal durchkreuzen.

Der ehemalige Videotheken-Betreiber Bernhard Burgener hat es weit gebracht. In weissem Laaser Marmor erstrahlt die Einfahrt zu seiner Villa im Aargauer Fricktal. Was protzig wirkt, war ein Schnäppchen. Burgeners Belag besteht aus Resten vom eigenen Marmorbruch. Ein Abfallprodukt, sagt er.
Typisch Burgener. Der Selfmade-Millionär sucht pragmatisch den maximalen Nutzen. An diesem Geschäftsgebaren scheiden sich die Geister. Bescheiden, sparsam und integer sei er, loben die einen. Eitel, geizig und unzimperlich, kritisieren die anderen.
Der Baselbieter Medienimpressario, der sich aus bescheidenen Verhältnissen hochgearbeitet hat, polarisiert. Nicht erst, seit am Rheinknie bekannt wurde, dass der Sport- und Filmvermarkter den FC Basel für einen zweistelligen Millionenbetrag kaufen und präsidieren will. „Ich habe ein Leben lang in starke Marken investiert“, sagt der 59-Jährige. „Sei dies Laaser Marmor, die Wiener Philharmoniker oder nun der FC Basel.“ Er sei seit Jahrzehntem dem Stadtclub eng verbunden. Vor Jahren sass Burgener bereits einmal im Vereinsvorstand. Mitte Januar sei FCB-Präsident Bernhard Heusler an ihn herangetreten, um eine „Basler Lösung“ für die eigene Nachfolge zu suchen. Burgener biss an.
Doch die blau-rote Liebe könnte zur „Liaison dangereuse“ werden. Das Engagement im grössten Schweizer Fussballclub befeuert nämlich den Konflikt im eigenen Medienimperium, wo seit zwei Jahren mit Haken und Ösen um die Stimmenmehrheit gekämpft wird. Es geht um die Film- und Unterhaltungsfirmen Constantin und Highlight Communications (siehe Grafik).
Zwar betont Burgeners Anwalt Martin Wagner, der auch im Verwaltungsrat von Axel Springer Schweiz sitzt, es handle sich beim Clubkauf um ein privates Investment seines Mandanten. „Der Kauf des FCB hat mit Highlight gar nichts zu tun.“ Zugleich kündigt Wagner aber an, dass Burgener sich – im Falle des FCB-Amtes – als Verwaltungsrat aus der Fussballvermarkterin Team zurückziehen werde.
Dort lauern die Interessenkonflikte: Die Firma Team Marketing handelt für den europäischen Fussballverband Uefa Verträge in Milliardenhöhe aus. Es geht um Medien- und Sponsorrechte an der Champions und Europa League. An beiden Ligen nimmt der FC Basel regelmässig teil.
Doch reicht der Rückzug aus den Highlight-Töchtern? Am Interessenkonflikt würde der Abgang wenig ändern. Burgener würde weiterhin im Doppelmandat die Team-Mutter Highlight Communications leiten, an der er beteiligt ist. Dass diese Gemengelage eigentlich nicht geht, sagte er vor Jahren selbst in der „Basler Zeitung“. Er müsse „neutral“ sein, so Burgener 2010. „Solange wir mit unserer Agentur Team die Champions League und weitere Formate vermarkten, übernehme ich keine Funktion in einem Verein.“

Kontrolle verlieren
Das FCB-Präsidium könnte zum Beschleuniger von Burgeners Abgang bei Highlight werden. Ihn haben bereits vor zwei Jahren Aktionäre um den deutschen Dieter Hahn als Chef der Konzernmutter Constantin Medien abgesägt. Sie haben ihm nie verziehen, dass er sich das deutsche Filmstudio geschnappt hatte. Mit fremdem Geld.
1999 hatte Burgener seine Highlight an den „Neuen Markt“ in Frankfurt gebracht. Der Börsengang spülte viel Geld in die Kriegskasse. Damit kaufte er 2002 dem Medienmogul Leo Kirch einen ersten Anteil an Constantin ab. Das Filmstudio war eine Perle. Produzent Bernd Eichinger ein Star. Bald baute Highlight die Beteiligung an Constantin zur Mehrheit aus, was für Irritationen bei Eichinger sorgte.
Die Börsenkotierung der Highlight war für Burgener Fluch und Segen zugleich. Er hielt zu wenig Aktien, um seine Firma kontrollieren zu können. Immer wieder musste er sich mit umstrittenen Methoden behelfen, um seine Macht zu sichern. Etwa indem Tochtergesellschaften Aktionärin der Mutter wurden. Oder über Umstrukturierungen des Konzerns.
Und so dreht sich auch der heutige Streit zwischen den Constantin-Grossaktionären Burgener und Hahn um die Frage, wer die Kontrolle ausüben kann. Kurz vor seiner Ablösung bei Constantin sicherte sich Burgener mit einem Kniff die Kontrolle über die Tochter Highlight, an der Constantin 60 Prozent hält. Dazu nahm Burgener im Namen der Constantin einen Millionenkredit bei einer von einem Intimus gegründeten Firma namens Stella Finanz auf. Als Sicherheit hinterlegte er den Grossteil der Aktien, welche Constantin an Highlight besitzt. Seither liegen 50 der 60 Prozent in einem von Stella kontrollierten Depot. Die Stimmen sind blockiert.

Gute Bekannte
Der Countdown tickt. Die Rückzahlung des Kredits ist eingeleitet. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Constantin die Stimmrechte zurückerhält. Dann dürfte Burgener die Kontrolle über seine Highlight verlieren. Wenn es ihm nicht noch gelingt, die Kleinaktionäre auf seine Seite zu ziehen. Für Burgener geht es um alles: Constantin will aus dem Filmgeschäft, das er so liebt, aussteigen und sich auf die lukrativen Sportrechte konzentrieren – das Geschäft, das sich mit dem FCB-Präsidium so schlecht vereinbaren lässt. Noch gibt Burgener nicht auf: Es müsse eine Einigung her, betont er. Ist der FCB am Ende die Exitstrategie für eine Zeit nach Highlight? Burgeners Eintritt in die Basler Gesellschaft, deren Kontakt er bisher scheute? Wie das geht, hat ihm eine Bekannte vorgemacht: Auch Gigi Oeri war in Basel eine Exotin, bevor sie mit Einsatz und Kapital beim FCB einstieg. Mehr schlecht als recht passte sie zu den Roche-Erben, in deren Familie sie sich eingeheiratet hatte. Doch sie führte den FCB zu alter Grösse zurück. Dafür wird man am Rheinknie heiliggesprochen.