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Der Schöne und das Biest

Falcon Bank Ex-CS-Mann Walter Berchtold heuert bei den Arabern als Bankchef an. Der Job hat es in sich. Denn heisse Deals bilden bei Falcon das Kerngeschäft.

Noch nicht im Amt und schon im Krisenmodus. Walter „Wädi“ Berchtold, der ehemalige CS-Vermögenschef und designierte CEO der Falcon Private Bank, reist dieser Tage nach Singapur. Die Visite im asiatischen Inselstaat ist strategischer Natur. Denn Falcons Singapur-Filiale und damit das zukunftsträchtige Asien-Geschäft stehen auf dem Prüfstand. Den rund 40 Bankern vor Ort sitzt die Finanzaufsicht im Nacken, weil Falcon in den Skandal um das malaysische 1MDB-Vehikel verwickelt ist.

Die Staatsfonds Abu Dhabis geschäfteten als Falcon-Eigentümer intensiv mit den Malaysiern. Millionensummen flossen über Konten bei der Falcon Bank, wie die US-Justiz dokumentiert hat. Nun sollen externe Buchprüfer im Auftrag der Aufsicht in Singapur Klarheit über die Rolle des Swiss Private Banking schaffen. Doch das dauert und lässt den Neugeldzufluss zum Rinnsal verkommen. Weil in Südostasien gleichzeitig die kritische Grösse fehlt, türmen sich die Personalkosten im teuren Stadtstaat. Erst kürzlich hat die Singapur-Filiale ein Berater-Team von der Royal Bank of Canada übernommen.

Für den ehemaligen CS-Spitzenbanker wird das Troubleshooting in Südostasien zum ersten Prüfstein als oberster Falke. Der CEO-Posten markiert Berchtolds Rückkehr ins Schweizer Private Banking. Als vergangene Woche bekannt wurde, dass er ab Oktober bei Falcon vom Verwaltungsrat in die operative Leitung wechselt, sprach sich das am Paradeplatz schnell herum. „Wädi“ kennt jeder. Und jeder hatte sich gefragt, wie lange er es im Vorruhestand wohl aushalten werde.

Beinahe-Chef bei Credit Suisse

Einst war Berchtold auf dem besten Weg, Chef der Credit Suisse zu werden. Zuletzt unter der Führung von Oswald Grübel hatte er bei der Kreditanstalt eine steile Karriere hingelegt. 2006 wurde er Leiter des Private Banking. Doch mit dem neuen Chef Brady Dougan kam der Bruch. Die zwei konnten es nicht miteinander. Berchtold wurde 2011 durch die Beförderung von Hans-Ulrich Meister faktisch entmachtet, ein Jahr später verliess er die Bank. Mit 50 Jahren Privatier, das war eindeutig zu früh. „Ich sagte immer, ich will noch einmal etwas Operatives machen“, begründet Berchtold seinen Schritt zurück an die Front. „Ich hatte in diesen Jahren ein paar Mandate. Aber ich bin nicht gemacht für das Leben als Multi-Verwaltungsrat.“ Berchtold will Unternehmer sein. Er braucht eine Aufgabe.

Bereits 2015 wurde er in den Verwaltungsrat von Falcon gewählt – damals aber noch nicht mit Blick auf die Nachfolge von Chef Eduardo „Edi“ Leemann, wie zahlreiche Quellen aus dem engsten Umfeld berichten. Auf die CEO-Stelle aspirierten andere: Etwa Chief Operating Officer Tobias Unger oder Erich Pfister, Chef Private Banking. Doch sie konnten ihre Chefs nicht vollends überzeugen. Unger ging zum Zulieferer Avaloq, Pfister blieb. Ab Anfang Jahr verhandelte Leemann dann direkt mit Berchtold. Theoretisch übernimmt dieser die Geschäftsleitung im Oktober, faktisch ist er aber schon heute für die Bank unterwegs. Leemann hat sein Büro geräumt, konzentriert sich aufs Mandat als Senior Advisor und lobt Berchtold als „classy banker“.

Falcon wurde beinahe ein Pelikan

Die Handschrift des ehemaligen Goldman-Sachs-Bankers Leemann ist über alle Belange weiterhin prägend. Zuallererst als Namengeber der Bank: So sollte Falcon ursprünglich Pelican heissen, bis Leemann erfuhr, dass der Wasservogel im arabischen Raum als unrein gilt – und zum edlen Raubtier umschwenkte. Und schliesslich ist Leemann auch der Mastermind hinter dem Falcon-Businessmodell, das sich vom klassischen Anlagegeschäft massgeblich unterscheidet.

„Die Bank besteht praktisch nur aus Special Deals“, sagt ein Involvierter. Die Rede ist von Kreditfinanzierungen, Private-Equity-Anlagen und exklusiven Co-Investments mit vermögenden Kunden in nichtkotierte Unternehmen. Beispielsweise bietet Falcon ihren solventen Klienten Zugang zum Afrika-Vehikel Lonrho, nach Russland oder ins Immo-Imperium des schillernden Selfmademan René Benko. Solche Direkt-Deals seien „Fluch und Segen zugleich“, sagt ein Beteiligter. Geben sie der Bank bei der vermögenden Kundschaft doch ein Alleinstellungsmerkmal in einer homogenen Bankbranche.

Umgekehrt bedeuten „special deals“ Anlage- wie Compliance-Risiken und eine Komplexität, die gemeistert sein will. Falcon segle zuweilen „hart am Wind“ mit ihren informellen Strukturen, meint ein Beobachter, und fügt an: Es sei bislang Dealmaker Leemann gewesen, der die dicken Fische in Eigenregie an Land gezogen habe. Dieser One-Man-Show-These entgegnet Leemann: „Ich war vielleicht das Gesicht, aber ohne ein starkes Management-Team ziehen sie keine solchen Deals durch.“ Zugleich betont er, das „dynamische Private Banking“ sei ein „Erfolgsfaktor“.

Falcon hat die „Can-do-Mentalität“

Nachfolger Berchtold dürfte Leemanns Geschäfte ähnlich fortführen, betont er doch gerade den Unternehmergeist, der bei Falcon herrsche. Die Bank habe eine „Can-do-Mentalität“, sagt er. Eine motivierte Belegschaft und Strukturen, die agiles Handeln zuliessen. Anders als die CS, die er rückblickend als „grossen Tanker“ beschreibt.

Wie er die Bank neu aufstellen will, lässt Berchtold offen. Den Rückhalt der Araber hat er bereits ausgehandelt. Und Mittel zugesichert bekommen, für den Fall, dass Investitionen notwendig werden. Der Eigentümer wünsche sich Wachstum, sagt Berchtold. Doch wachsen könne man auf verschiedene Weisen. „Wir wollen nicht einfach Skalenerträge erzielen, sondern in neue Geschäfte vorstossen.“ Langweilig wird die Falcon Bank wohl auch in Zukunft nicht werden.

Für Berchtold wird das Troubleshooting in Singapur zum ersten Prüfstein.

Assets Ende 2015 verwaltete die Falcon Private Bank laut Geschäftsbericht 18,2 Milliarden Franken an Kunden-Assets. Bis 2012 lag dieser Wert noch bei rund 12 Milliarden. Die meisten Vermögen stammen angeblich aus der Schweiz, Osteuropa und den Emiraten.

Geschichte Die Bank wurde 1965 vom Versicherer AIG als Überseebank AG gegründet und 1998 in AIG Privatbank umbenannt. Nach der Finanzkrise wurde die Bank 2009 an den Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi verkauft und in Falcon Private Bank umbenannt.

Gewinn Das volatile Geschäft spiegelt sich im Gewinnverlauf. Dass 2015 mit einem klaren Überschuss abschliesst, hat auch damit zu tun, dass die Mutter 23 Millionen Franken Kapital eingeschossen hat. Das Geschäft im Ausland schreibt laut Jahresbericht rote Zahlen.