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Der rote Paradeplatz

Finanz Seit einem Jahr ist die China Construction Bank in Zürich aktiv. Bald siedelt mit der ICBC das nächste chinesische Grossinstitut an.

Die Schweiz steht im Reich der Mitte hoch im Kurs. Präsident Xi Jinping kommt in wenigen Tagen auf Staatsbesuch. Im Schlepptau hat er rote Wirtschaftsmagnaten wie Alibaba-Gründer Jack Ma und Wanda-Chef Wang Jianlin. Der höchste Chinese trifft sich auch mit Schweizer Bossen. Denn längst sind hiesige Konzerne wie Syngenta und Gategroup eine beliebte Beute für Sino-Kapitalisten. Zudem sind bereits über achtzig China-Firmen hierzulande ansässig.

Mit den intensiven Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und China steigt auch der Bedarf an grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungen. Vor genau einem Jahr hat mit der China Construction Bank (CCB) das erste Institut aus dem Reich der Mitte eine Zürcher Zweigstelle eröffnet. Gemessen an der Marktkapitalisierung ist CCB das viertgrösste Institut weltweit. Zürich-Leiter Weiyun Gong zeigt sich mit dem ersten Geschäftsjahr zufrieden: „Wir haben gute Beziehungen zu Schweizer Corporates, vor allem Unternehmen mit mehr als 250 Millionen Franken Umsatz, aufgebaut.“

Rund dreissig Mitarbeiter zählt CCB bis heute in der Limmatstadt, viele davon mit Grossbanken- oder Auslandserfahrung. Das Team betreut unter anderem den Renminbi-Hub. CCB hat dazu von der Zentralbank die exklusive Lizenz für die Schweiz erhalten. Der Hub soll den Aufstieg des China-Gelds zur Weltwährung befördern und Devisengeschäfte zwischen dem Reich der Mitte und der Schweiz vereinfachen. Und zwar, indem Franken in Renminbi direkt gewechselt werden können, ohne Umweg über den Dollar oder andere ferne Hubs wie Hongkong. Das reduziert die Transaktionskosten und spart Zeit.

Mit Rohstoffhändlern im Gespräch

Dabei fokussiert CCB in Zürich gezielt auf lokale Eigenheiten: Die Schweiz sei ein globales Zentrum fürs Wealth Management, für den Rohstoffhandel und das Rückversicherungsgeschäft, erklärt Gong. „Mit dem Renminbi-Hub können wir insbesondere für Unternehmen aus diesen Branchen attraktive Lösungen anbieten.“

Beispielsweise müssen Schweizer Rückversicherer mit China-Arm im Rahmen ihres Bilanzmanagements einen Teil ihrer Anlagen in Renminbi halten. Aber auch Schweizer Exporteure mit China-Geschäft benötigen Lokalwährung: Diesen bietet die Zürcher Kantonalbank seit Herbst ein Renminbi-Clearing mit CCB als Partnerbank an. Und auch mit dem Finanzdienstleister Six kooperiert die Construction Bank, beispielsweise bei Renminbi-Bond-Emissionen.

Daneben interessieren sich die Chinesen aber auch für die zahlreich ansässigen Rohstoffhändler. Traditionell wickelt die Branche ihre Trades nämlich in Dollar ab, wenngleich China der grösste Abnehmer für Kupfer, Gold und Co. weltweit ist. In diesem Bereich gibt es also durchaus Opportunitäten für den Renminbi als Handelswährung. So führte CCB diesen Herbst erste Sondierungsgespräche in Genf mit Rohstoffvertretern und ist bereits in Swap-Geschäfte für Gold aktiv, wie Marktteilnehmer berichten.

Auf längere Sicht dürfte auch die Vermögensverwaltung für wohlhabende Chinesen aus der Schweiz heraus interessant werden. Ein erster Versuch der Bank of China (BOC) in Genf scheiterte zwar kläglich. Aber offenbar gibt es erneute Pläne der BOC, sich in der Schweiz niederzulassen – diesmal wohl aber in Zürich.

Langfristige Aufbauarbeit

Allerdings ist der Markteintritt in die Schweiz kein leichter. So verlief die (kulturelle) Adaption der CCB zunächst harzig, wie mehrere Marktteilnehmer berichten. Der permanente Einbezug der Compliance in den Geschäftsalltag sei für die Sino-Banker ungewohnt, das strikte regulatorische Umfeld für das staatsnahe Institut fremd. Die designierte Compliance-Chefin, welche zuvor bei namhaften Instituten wie der UBS und der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr gearbeitet hatte, verliess das chinesische Bankhaus jedenfalls noch vor dem offiziellen Start. Auf Anfrage lehnte sie eine Stellungnahme ab.

Nichtsdestotrotz sieht Felix Sutter, Präsident der Swiss-Chinese Chamber of Commerce, den Renminbi-Hub auf Kurs: Es sei der Bank gelungen, das Bewusstsein für die Angebotspalette zu schärfen. „Die CCB als privilegierte Clearing Bank leistet gute Aufbauarbeit und geht dabei sehr langfristig vor.“

Lange dürfte CCB nicht mehr die einzige China-Bank mit Schweiz-Ableger sein. So laufen seit Anfang letzten Jahres die Vorbereitungen für die Ansiedlung der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) in Zürich. ICBC ist die grösste Bank der Welt, gemessen an den Anlagen und an der Marktkapitalisierung, und zählt über 350 000 Mitarbeiter. Die Bank hat den Ruf, marktorientierter zu sein als andere staatsnahe Institute. Gemäss einer mit dem Dossier vertrauten Person bereitet ICBC derzeit den Antrag gegenüber Finanzmarktaufsicht für eine Banklizenz vor. Eine spezialisierte Wirtschaftskanzlei sei mit der Ausarbeitung betraut worden. Daneben sind verschiedene, grosse Beratungsunternehmen am Werk. Zusätzlich hat ICBC eigens ein „Preparatory Team for Zurich Branch“ eingesetzt, das von Zeit zu Zeit aus Peking an die Limmatstadt kommt und den Ansiedlungs-prozess begleitet. So sucht die chinesische Grossbank offenbar Büros im Zürcher Finanzviertel. „ICBC will Mitte Jahr in Zürich starten“, heisst es aus dem Umfeld der Bank. Der endgültige Entscheid soll noch in diesem Monat im Bank-Verwaltungsrat in Peking gefällt werden. Dann wird das Lizenzgesuch bei der Finma eingereicht. Die Bearbeitung dauert erfahrungsgemäss zwischen vier und sechs Monaten. Dann dürfte ICBC hierzulande starten.

Die Bande der ICBC in die Schweizer Finanzbranche sind allerdings bereits jetzt eng. So war Credit Suisse vor gut zehn Jahren federführend beim Börsengang der ICBC. Gleichzeitig unterhält die CS mit der chinesischen Grossbank ein Joint Venture namens ICBC Credit Suisse Asset Management Company Limited, wobei die Schweizer 20 Prozent der Aktien halten. Der Investmentspezialist mit Sitz in Hongkong zählt 400 Mitarbeiter und ist im Asset Managent aktiv, zum Beispiel bei der Emission von China-ETF.

Momentan allerdings steht der Renminbi unter starkem Abwertungsdruck. Die steigenden Zinsen in den USA entfalten eine Sogwirkung. Die Kapitalflucht aus dem Reich der Mitte hält trotz schärferer Ausfuhrkontrollen an. Gleichzeitig schmelzen die staatlichen Devisenreserven, weil die Zentralbank den Renminbi stützen muss. Es sind turbulente Zeiten.

 

 

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Smarter Löwenbändiger

Mario Greco Am Tag der Arbeit tritt Mario Greco seinen Chefposten bei Zurich an. Der Zeitpunkt könnte passender nicht sein. Am Mythenquai wartet auf den Neapolitaner nämlich ein grosser Stapel Schadensmeldungen: Angefangen beim Grosskundengeschäft, das durch lasches Underwriting in die Miesen rutschte, über verpuffte Effizienzrunden („Dragonfly“) bis hin zu verkorksten Kaufavancen (RSA), die Grecos Vorgänger Martin Senn schliesslich den Kopf kosteten.

Was in dieser Ballung bedrohlich wirkt, dürfte für einen Turnaround-Manager vom Schlage Grecos zu bewältigen sein. Der Sohn aus gutem Hause – sein Vater war Bankdirektor – hat schliesslich in Triest bereits erfolgreich einen Versicherungslöwen gebändigt. Die Generali – mit dem Raubtier im Wappen – war bei Grecos Amtsantritt ein unstrukturierter Laden mit feudalistischen Strukturen und dünner Kapitaldecke. Doch der smarte Ex-McKinsey-Mann köpfte die Hofschranzen, holte interna tionale Manager an Bord und legte eine straffe Ma trix-Organisation über den drittgrössten Versicherer Europas. Statt auf Pomp und Popanz setzte er auf (Kosten-) Disziplin, Einfachheit und Fokussierung – unter anderem, indem er die Tessiner BSI devestierte. Der Turnaround ist geglückt, Generalis Wert hat sich in Grecos Zeit praktisch verdreifacht. Ein Leistungsausweis, der ihn nun auch für den Chefposten bei seinem früheren Arbeitgeber empfahl.